In den letz­ten 80 Jahren, san­ken die Kurse an der Schweizer Börse nur 2-mal in zwei auf­ein­an­der fol­gen­den Jahren über 20%, dies geschah 1973/1974 sowie 2001/2002. Einige Börsenprofis üben sich nun nach zwei Jahren Fehlprognosen in Zurückhaltung. Obwohl die Aktienmarktexperten im 2007 und erst recht im 2008 rich­tig­ge­hend dane­ben pro­gnos­ti­ziert haben, ver­su­chen sie es für das 2009 erneut. Die meis­ten Experten sagen auch für das Jahr 2009 stei­gen­de Aktienkurse vor­aus.

Prognosen der Profis

Umfrage von Bloomberg bei den Marktstrategen für den S&P 500
In den USA ist David Bianco der UBS sehr bullish, in der Umfrage von Cash dai­ly, sie­he unten, woll­te die UBS zum S&P 500 kei­ne Angabe machen, bei der Handelszeitung sehen sie sogar fal­len­de Kurse für die USA. Damit haben sie jede Kursrichtung pro­gnos­ti­ziert und kön­nen in einem Jahr sagen, dass haben wir vor einem Jahr auch so gese­hen. Scheinbar ist es für die UBS nicht mög­lich welt­weit mit einer Stimme zu spre­chen — wer will sein Vermögen einem sol­chen Institut anver­trau­en?

Schön zu sehen, wie sich die­se Herren für 2008 ver­schätzt hat­ten.
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23.12.2008: Handelszeitung Nr. 52, “Die defen­si­ven Titel gel­ten als Favoriten”
Für die Schweizer Aktienmarktexperten ist der Indexspielraum 2009 eng abge­steckt. Die Schätzungen für den SMI zum Jahresende schwan­ken zwi­schen 5500 und 6700 Punkten. Bevorzugt wer­den die gross kapi­ta­li­sier­ten Aktien aus den defen­si­ven Sektoren.

Person Finanzinstitut SMI Jahresende SPI Jahresende SMI-Favoriten Schätzung SPI 2008 /
Abweichung (Stand 30.12.2008: 4568)
Roger M. Kunz Clariden Leu 6500 5500 Swisscom, Novartis, Roche, Nestlé 8200/  ~-44%
Christian Gattiker-Ericsson Julius Bär 6300 5300 ABB, Syngentoa,Synthes 8100 / ~-44%
Alf Roelli Pictet & Cie 5500 Nestlé, Roche, Novartis, UBS, CS, Zurich Financial, Swatch 7500 / ~-39%
Panagiotis Spiliopoulos Vontobel Research 6700 5700 UBS, Holcim, Syngenta Schätzung damals durch
Thomas Steinemann (5–9%) ~-35%
Sven Bucher ZKB 5300 Auf SLI set­zen. Aber inter­es­sant: Geberit, ABB, Holcim 7600 / ~-40%

Ich habe zusätz­lich noch die Spalte “Schätzung SPI 2008” hin­zu­ge­fügt, dar­aus ist ersicht­lich, wie sich die Herren für das Börsenjahr 2008 ver­schätzt haben.

29.12.2008: Cash dai­ly, “Europäische Aktien sind äus­serst güns­tig bewer­tet”
Der DJ Euro Stoxx 50 hat im 2008 rund 44% ver­lo­ren. Den gros­sen Volkswirtschaften droht 2009 die schwers­te Rezession der Nachkriegszeit, die Aussichten vor allem für die Realwirtschaft sind äus­serst unsi­cher. Gemäss Clariden Leu prä­sen­tiert sich die Lage in Grossbritannien, Deutschland und Spanien beson­ders schlecht.

Finanzinstitut Euro Stoxx 50 Empfehlungen für Top-Sektoren  Aktien
Pictet 2500 Einergie, Konsum, phar­ma / ENI, Roche, Tesco
Schroders 2600 k.A.
Julius Bär 2700 Gesundheit, Konsum, (nicht zykl) / Danone, Novo, Nordisk, France
Téléc.
Sal. Oppenheim 2750 Alt. Energie, Telekom, Versicherer / Deutsche Telekom, Q-Cells, ZFS
Sarasin 2900 Energie, Telekom, Versicherer / France Télécom, Munich Re, Total
Clariden Leu 3000 Pharma, Telekom, Versorger / Deutsche Telekom, ENI, E.ON
UBS k.A. Basiskonsum, Gesundheit, Telekom / Bayer, France Télécom, San.
Aventis

29.12.2008: Cash dai­ly, “US-Börse erholt sich nicht vor Herbst”
2009 wird vor­erst wei­ter­ge­hen wie bis­her – hohe Volatilität inklu­si­ve. Die Mehrzahl der befrag­ten Analysten glaubt, dass die Erholung frü­hes­tens im zwei­ten Halbjahr ein­set­zen wird. “Die USA gerie­ten als Erste in die Krise, haben als ers­te Massnahmen ergrif­fen und wer­den als Erste aus der Krise fin­den???, erklärt Willy Hautle, Chefökonom der Zürcher Kantonalbank. Mit der Erholung wird die Nachfrage nach Öl und damit der Ölpreis stei­gen. Das dürf­te dem Energiesektor Auftrieb ver­lei­hen. Nach Einschätzung von Julius Bär wur­de die­ser Sektor im Jahr 2008 zu stark abge­straft und weist daher Aufwärtspotenzial auf. Weiniger opti­mis­tisch zeigt sich für 2009 die Privatbank Pictet. “Mit einer lang anhal­ten­den Erholung rech­nen wir erst 2010″, sagt Alf Roelli, Leiter Finanzanalyse.

Finanzinstitut S&P 500 Ende 2009
Sarasin 1100
Clariden Leu 1050
Julius Bär 1000
Schroders 950
Pictet 800
UBS k.A.

30.12.2008: Cash dai­ly, “Bei Bonds lie­gen Anleger in neu­en Jahr rich­tig”
Staatsanleihen dürf­ten auch im kom­men­den Jahr das “Flüchtlingslager des Kapitals??? blei­ben. Obwohl die Papiere sehr guter Schuldner wie Grossbritannien, Deutschland oder den USA auf Grund hoher Kursgewinne in den ver­gan­ge­nen Monaten der­zeit wenig Rendite abwer­fen wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Fast eben­so hart abge­straft wie Aktien wur­den Unternehmensanleihen im Jahre 2008. UBS hält die Korrektur für über­trie­ben. Anlagechef Alexander Kobler rech­net damit, dass Unternehmensanleihen 2009 über­durch­schnitt­li­che Erträge abwer­fen. “Anleihen sind für uns die attrak­tivs­te Anlageklasse???.

Bank Staatsanleihen Anleihen (höchs­te Bonität) High Yield
Clariden Leu
Julius Bär
Picet
Sarasin
Schroders
UBS


31.12.08–15.1.09: stocks, Seite 7, “Grosser Teil ist im Kursen eskom­piert”

Panagiotis Spiliopoulous, Head of Research, Vontobel: Wir sehen per Ende 2009 den SMI bei 6700 und den SPI bei 5700 Punkten. Für 2010 rech­nen wir mit Ständen von 7700 und 6600 Zählern.

7.–13. Januar 2009: Handelszeitung Nr. 1/2, “Mit Gold und Öl ins neue Jahr”

Finanzinstitut Öl Gold Industriemetalle Agrarwirtschaftliche Materialien
UBS
CS
Julius Bär
Sarasin

7.–13. Januar 2009: Handelszeitung Nr. 1/2, “Die Märkte hof­fen auf Rückenwind”

Finanzinstitut Schweiz Empfehlung Einzeltitel EU-Zone USA Emerging Market
UBS Nestlé
Roche
ZFS
CS Nestlé
Synthes
Swisscom
Asien ↑
Südamerika →
Osteuropa ↓
Julius Bär Syngenta
Synthes
ZFS
Sarasin Barry Callebaut
Roche
Schindler
Vontobel Holcim
Syngenta
Romande Energie

Meine Prognose

Ich wage kei­ne Prognose, ich set­ze mich aber mit einem der mög­li­chen Worst-Case-Szenarios aus­ein­an­der, auch wenn Eintrittswahrscheinlichkeit sehr gering ist, aber wer hät­te vor einem Jahr gedacht, dass die Schweiz ein­mal die UBS vor der Pleite ret­ten muss?

Die zwei Schweizer Bankenmonster

Ich fin­de es scha­de, dass sich die UBS nicht von einer Bank wie der HSBC über­nom­men wur­de, dies wäre mit Abstand die bes­te Lösung für die klei­ne Schweiz und die UBS gewe­sen. Ich glau­be die Marke UBS und damit der Schweizer Finanzplatz hat sehr viel Vertrauen im Ausland ver­lo­ren. Wenn ich ein rei­cher Südamerikaner wäre und mei­ne Gelder aus kor­rup­ten Geschäften ver­ste­cken müss­te, wür­de ich das Geld in den asia­ti­schen Raum brin­gen. Falls die Finanzkrise sich aus­wei­tet, wird es für die bei­den Schweizer Grossbanken sehr schwie­rig. Ein Konkurs einer der bei­den Grossbanken wür­de das defi­ni­ti­ve Ende des Finanzplatzes Schweiz bedeu­ten. Damit wür­de die Schweiz die glei­che Route wie Island beschrei­ten, aller­dings wird Island von der EU gehol­fen der Schweiz wür­de nie­mand hel­fen, sicher auch nicht die USA, wo sich die bei­den Banken ver­spe­ku­liert haben. Daher sehe ich den in den letz­ten Wochen erstark­ten CHF als eine mög­li­che zukünf­ti­ge Verliererwährung.

Von den Schweizer Politikern kann man defi­ni­tiv nichts Kluges erwar­ten, sich haben sich zusam­men mit den bei­den Grossbanken schon im Swissair-Debakel als unfä­hig erwie­sen. Mit der Rettung der UBS durch die Nationalbank und des Bundes spielt die Schweiz mit dem Feuer, sie ist viel zu klein für ihr über­di­men­sio­nier­tes Banksystem, sie­he Grafik der New York Times.


Quelle: SRF, Rundschau vom 17.12.2008 — Stuhl: Doris Leuthard

Die Wirtschaftsministerin Leuthard spricht beim Stabilisierungsprogramm für die UBS von einer Wandelanleihe und einem Kredit. In Wirklichkeit han­delt sich um eine Pflichtwandelanleihe und damit trägt der Bund ein Aktienrisiko, somit ist es auch kein Kredit, viel­mehr ist es eine spe­ku­la­ti­ve Investition. Ein wei­te­rer Beweis für die Inkompetenz unse­res Bundesrates, es ist tra­gisch zu sehen, dass sol­che unfä­hi­ge Filzpolitiker mit dem Schicksal der Schweiz spie­len.

US-Immobilienmarkt

Aus dem US-Immobilienmarkt kom­men noch immer schlech­te Zahlen, sie­he S&P Case Shiller und Verbrauchervertrauen mit neu­en Tiefs, dies wird sich wei­ter­hin nega­tiv auf den US-Konsum aus­wir­ken.

Ich glau­be die meis­ten west­li­chen Grossbanken sind kli­nisch tot und der Wirtschaft nicht mehr nütz­lich — sie kos­ten den Steuerzahler nur noch viel Geld. Es könn­te in der nahen Zukunft in eini­gen west­li­chen Ländern auch zu sozia­len Unruhen kom­men, schliess­lich wur­de die arbei­ten­de Bevölkerung von der Wirtschaftselite und deren Filzpolitiker über das letz­te Jahrzehnt hin­weg belo­gen und betro­gen.

Vielleicht sehe ich die Zukunft durch mei­ne “Bärenbrille??? zu Schwarz?

Der wich­tigs­te Vermögenswert der Schweiz sind Immobilien. Sie machen mit einem geschätz­ten Volumen von 2500 Mrd. CHF gut die Hälfte des gesam­ten phy­si­schen Kapitals hier zu Lande aus.

Ich füh­le mich mit der Anlageklasse Immobilien sehr wohl, daher ist sie bei mir die bevor­zug­te Investition. Natürlich kann das gesam­te Anlagevermögen eines Investors im Eigenheim ste­cken, dann erüb­ri­gen sich oft­mals ande­re Anlageklassen. Die Sparkontozinsen in der Schweiz sind sehr tief, dem­ge­gen­über sind die Hypotheken preis­güns­tig. Somit zahlt der Anleger den “ruhi­gen Schlaf???, bei einem Sparkonto mit einer mise­ra­blen Rendite. Immobilien eig­nen sich sehr gut als zusätz­li­che Asset Klasse in einem gemisch­ten Portfolio.

Direkte Immobilienanlage

Beim Erwerb einer Immobilie durch den Investor, spricht man von einer direk­ten Immobilienanlage, bekann­te Form ist die selbst bewohn­te Liegenschaft. Eine ande­re bekannt Form ist der Erwerb eines Mehrfamilienhauses, für vie­le Anleger aber uner­schwing­lich. Der Kauf oder Verkauf einer Immobilie kann meh­re­re Monate dau­ern und die Transaktionskosten sind in der Regel hoch, daher gilt die direk­te Immobilienanlage als illi­qui­de.

Indirekte Immobilienanlage

Mit einem klei­nen Budget kann sich der Investor an Immobilien über einen Immobilienfonds oder Immobiliengesellschaft betei­li­gen. Sowohl die Fonds wie auch Gesellschaften wer­den täg­lich an der Börse gehan­delt und somit ist die Liquidität sehr hoch.

Immobilienfonds

  • Mit den Fondsanteilen wird der Anleger Miteigentümer an den Liegenschaften.
  • Immobilienfonds unter­lie­gen dem Kollektivanlagegesetz und sind somit unter der Aufsicht der eid­ge­nös­si­schen Bankenkommission.
  • Dank Börsenkotierung ist der Kauf oder Verkauf von Anteilen jeder­zeit mög­lich. Die offe­nen Schweizer Immobilienfonds las­sen sich an der Swiss Exchange (SIX) han­deln.
  • Je nach Wahl des Fonds erfolgt die Übergewichtung von Wohnimmobilien bzw. Geschäftsimmobilien.
  • Immobilienfonds wer­fen eine Ausschüttungsrendite von zir­ka 3.5% pro Jahr ab.
  • Weil die Entwicklung der Immobilienmärkte nicht nur von den Finanzmärkten abhängt, bie­ten Immobilienfonds eine gute Möglichkeit zur Risikominderung und Ertragsstabilisierung des Gesamtportfolios.
  • Bereits ab weni­ger als hun­dert Franken ist ein Engagement im Schweizer Immobilienmarkt mög­lich. Zudem sind die Transaktionskosten im Verhältnis zu Direktanlagen sehr tief.

Immobiliengesellschaft

  • Die Immobiliengesellschaften inves­tie­ren über­wie­gend in Geschäftsliegenschaften.
  • Einige Immobiliengesellschaften schüt­ten die Gewinne in Form von Nennwertrückzahlungen aus, die­se sind steu­er­frei.

Real Estate Investment Trust (REIT)

Erstmals tauch­ten REIT um 1960 in den USA auf. Heute wird die­se Anlageform in allen gros­sen Immobilienmärkten ange­bo­ten, seit 2006 auch in Deutschland. Rund um die REIT ist eine gan­ze Produktfamilie mit Indexfonds, Zertifikaten und Optionen ent­stan­den. REIT sind Kapitalgesellschaften, die Immobilien besit­zen, ver­wal­ten oder finan­zie­ren und einen Grossteil ihres Gewinnes als Dividende aus­schüt­ten – auf Ebene der Gesellschaft steu­er­frei. In der Schweiz feh­len jedoch bis­her die gesetz­li­chen Grundlagen für REIT. IShares ist mit fünf ETF auf Immobiliengesellschaften und REITs an der SIX ver­tre­ten. REITs sind deut­lich vola­ti­ler als Immobilienfonds.

Was ist zu beachten

  • Mit einem Immobilienfonds lässt sich in der Regel nur über eine län­ge­re Zeit die durch­schnitt­li­che Rendite erwirt­schaf­ten. Daher soll­te der Anlagehorizont fünf Jahre oder mehr betra­gen.
  • Immobilienfonds deren Börsenkurs weit über den Inventarwert der Immobilien (NAV) lie­gen, soll­ten gemie­den wer­den.

Meine Empfehlung

Ich habe eine sehr schlech­te Erfahrung mit einer Immobiliengesellschaft gemacht. Daher emp­feh­le ich den Kauf von Anteilen an einem Immobilienfonds, die­se sind trans­pa­ren­ter und unter­lie­gen stren­gen gesetz­li­chen Vorschriften. Die Rendite/Risikoeigenschaften von Immobilienfonds lie­gen irgend­wo zwi­schen Anleihen und Aktien.
IShares MSCI World im Vergleich mit Immobilienfonds

Im obi­gen Chart ist der Kursverlauf des IShares MSCI World im Vergleich mit eini­gen an der SIX gehan­del­ten Immobilienfonds dar­ge­stellt. Die Kursausschläge sind erheb­lich klei­ner als die des Aktienindexes.

Kursverlauf UBS Property Fund - Léman Residential "Foncipars"

Bei Immobilienfonds wird im Allgemeinen die Dividende ein­mal pro Jahr bezahlt. In obi­gen Chart erfolg­ten die Dividendenzahlung des UBS Léman Residential “Foncipars” in den Monaten März oder April, damit kann der Kurs um die­se Dividendenzahlung fal­len.

Eine Auswertung der BILANZ (21/2008) zeigt, dass Mitte November 80 Prozent der 2877 an der Schweizer Börse kotier­ten Barrier Reverse Convertibles die Schutzschwelle ver­letz­ten und so für ihre Besitzer zum Verlustgeschäft wur­den. Von den 2314 betrof­fe­nen Produkten durch­bra­chen mehr als die Hälfte in den ers­ten Oktobertagen die Auffangnetze. Bei all die­sen Produkten steht nun die Auslieferung des schlech­tes­ten Basiswerts oder eine ent­spre­chen­de Barauszahlung an. Besonders gross ist der Ärger, wenn für die Aktienlieferung auch noch Börsenabgaben und Courtagen fäl­lig wer­den.

Gemäss der Handelszeitung 47/2008 buch­te die struk­tu­rier­ten Produkte im Oktober 2008 ein Umsatzrückgang von 13%, hin­ge­gen notier­ten ETF mit 7.6 Mrd. Fr. gar ein Allzeithoch. Der Trend geht zu fle­xi­blen, kos­ten­güns­ti­gen und vor allem trans­pa­ren­ten Produkten. Laut Bloomberg stieg das welt­wei­te Handelsvolumen aller ETF-Anbieter im September mit 96.3 Mrd. Euro pro Tag im Jahresvergleich um knapp 130%. Laut dem FWW-Fonds-Factbook 2007/2008 gin­gen die Gesamtkosten bei den Indexfonds im Schnitt um 0.04% zurück, dage­gen stie­gen die Kosten für alter­na­ti­ve Fonds um 0.87%.

Nachtrag: 10.1.2009, Handelszeitung Nr. 1/2 2009

Die Finanzkrise hat auch die Umsätze an der Schweizer Börse zum Schmelzen gebracht. Gemäss der pro­vi­so­ri­schen Daten der SIX Swiss Exchange wur­de 2008 ein Umsatzrückgang von 23.5% regis­triert. Die gröss­ten Einbussen muss­ten das Segment der inter­na­tio­na­len Bonds hin­neh­men (-41.9%). Auch die Aktien (inkl. Fonds und Exchange Traded Structu Funds) gin­gen um 27.4% zurück. Die Umsätze der struk­tu­rie­ren Produkte waren um 19.9% rück­läu­fig. Einen Umsatzzuwachs von 36.8% ver­zeich­ne­ten dage­gen die Exchange Traded Funds. Anleihen in Schweizer Franken stie­gen um 24.4%.

Leider haben die Europäer gegen­über den US-Amerikanern die Vorteile der pas­si­ven Investmentprodukte noch nicht erkannt. Beispielsweise wer­den in Deutschland nur 10% der Vermögensanlagen pas­siv ver­wal­tet, in den USA liegt die­se Quote etwa bei 35%. Offensichtlich glau­ben noch immer vie­le Europäer fälsch­li­cher­wei­se, dass aktiv gema­nag­te Aktien- oder Obligationenfonds eine Mehrrendite erwirt­schaf­ten.

Dann doch lieber ein Hedgefonds als ein strukturiertes Produkt

Auszug aus: Wegelin und Co., Anlagekommentar Nr. 260 vom 9. Dezember 2008
Was sind aber die Alternativen zu Cash? Hedge Fonds? Können wir abha­ken. Ausser die paar ganz weni­gen, die sich strikt an das Gebot von Transparenz und Liquidität gehal­ten haben, darf man die meis­ten Hedge Fonds getrost dem Abfalleimer der Finanzgeschichte anver­trau­en.
Wegelin und Co. ist stark in struk­tu­rier­te Produkte enga­giert, daher viel­leicht die etwas zu nega­ti­ve Einstellung gegen­über den Hedgefonds. Ich per­sön­lich wür­de auch nach dem Madoff Milliarden-Schneeballsystem, wes­sen Opferliste län­ger wird, alle Dach-Hedgefonds oder Einzel-Hedgefonds schon toten.
Vielleicht wer­den auf Grund der jüngs­ten Madoff-Vorfälle die Hedgefonds bes­ser regu­liert. Ob die bis­he­ri­ge Geheimniskrämerei der Hedgefonds-Manager über ihre Strategie auch in der Zukunft auf­recht behal­ten wer­den kann – ich bezweif­le es.

Einige Probleme der strukturierten Produkte

Fehlendes Beraterwissen

Doch gera­de mal 16 Stunden wer­den bei den Schweizer Banken laut einer Umfrage der Universität Zürich in die Ausbildung der Kundenberater für struk­tu­rier­te Produkten inves­tiert. Dabei ist die Rolle des Kundenberaters von zen­tra­ler Bedeutung. 70% der Anleger inves­tie­ren in struk­tu­rier­te Produkte durch Vermittlung von Beratern. Die Kunden ver­trau­en den Empfehlungen, weil sie die Produkte gene­rell als kom­pli­ziert beur­tei­len.

Zu kompliziert

Neue Produkte wer­den wie­der ein­fa­cher kon­stru­iert und dabei wird auf bekann­ten Basiswerten gebaut. Noch bis in die ers­te Hälfte 2007 gehör­ten Gold oder Währungen zu den häu­figs­ten Basiswerten für struk­tu­rier­te Produkte. Natürlich las­sen sich im aktu­el­len Marktumfeld mit die­ser hohen Volatilität, bei­spiels­wei­se attrak­ti­ve Barrier-Reverse-Convertible auf einem ein­zel­nen Basiswert wie etwa dem SMI kon­stru­ie­ren. Noch bis vor einem Jahr konn­te der Anleger nur Multi Barrier-Reverse-Convertibles einen hohen Zinscoupon errei­chen.

Versteckte Gebühren

Den Banken kommt ent­ge­gen, dass für die meis­ten struk­tu­rier­ten Produkte kein liqui­der Markt besteht. Zudem machen sich die Banken den Umstand zu Nutze, dass die meis­ten Anleger nicht beur­tei­len kön­nen, ob es sich um einen fai­ren Marktpreis han­delt. Sie erhal­ten kei­ne detail­lier­ten Informationen die mathe­ma­ti­schen und sta­tis­ti­schen Grundlagen, die die Bank zur Preisbildung ver­wen­det. Das Transparent besteht nur beim Auszahlungsdiagramm des Produktes, d.h. der Kunde weiss bei wel­chen Szenarien er Verluste bzw. Gewinner erzie­len kann. Fachleute schät­zen, dass struk­tu­rier­te Produkte unter dem Strich durch­schnitt­lich 3% pro Jahr kos­ten. Sie sind damit deut­lich teu­rer als die meis­ten Anlageformen.

Gegenparteirisiko

Mit dem Ausfall der Emittentin Lehman Brother, wur­de den Anlegern von struk­tu­rier­ten Produkten bewusst, dass bei die­sen Anlageprodukten ein Gegenparteirisiko besteht. Bei ETF ist das Gegenparteirisiko sehr beschränkt. Wird der Index mit Full-Replication nach­ge­bil­det, so kann ein Gegenparteirisiko aus­ge­schlos­sen wer­den. Gewisse Indizes las­sen sich aber nur unge­nü­gend mit Full-Replication nach­bil­den, daher kommt eine syn­the­ti­sche Replikation zur Anwendung. Bei die­sem Swap-Ansatz besteht ein Gegenparteirisiko, die­ses ist jedoch auf maxi­mal 10% beschränkt und in der Praxis beträgt es zwi­schen 2 und 7%. Es gibt aber auch ETF-Anbieter wie Lyxor und db x-tra­ckers, wel­che den Swap-Ansatz grund­sätz­lich bevor­zu­gen.

Die Unwissenheit eines Marc Zahn

Der schei­den­de CEO der Derivat-Börse Scoach, weiss nicht, dass mit ETFs auch auf fal­len­de Märkte spe­ku­liert wer­den kann. In der Handelszeitung 50/2008 ant­wor­te­te er auf die fol­gen­de Frage:Gar kein Gegenpartrisiko bie­ten ETF. Sie haben in den letz­ten Monaten stark zuge­legt. Eine Gefahr für struk­tu­rier­te Produkte?
Zahn: Nein. Wir waren in den letz­ten zwei, drei Jahren im gan­zen Finanzsektor die schnell wach­sen­de Asset-Kategorie. Im Augenblick ist das der ETF. Das kann sich aber auch ändern. Mit ETF kön­nen Sie nur auf stei­gen­de Märkte set­zen, mit Derivaten jedoch jede Marksituation abbil­den.

DJ EURO STOXX 50

Es gibt auch Short-ETFs, im obi­gen Chart ist bei­spiels­wei­se der db x-tra­ckers DJ EURO STOXX 50 SHORT ETF abge­bil­det. In Europa sind die­se Short-ETF noch nicht so zahl­reich ver­brei­tet, hier ist die Entwicklung in den USA wei­ter vor­ge­schrit­ten, sie ProShare.

Marc Zahn soll­te sich viel­leicht auch ein­mal mit der Welt aus­ser­halb der struk­tu­rie­ren Produkte aus­ein­an­der­set­zen. Für mich ist klar, nir­gends kann mit sowe­nig Wissen so viel ver­dient wer­den wie in der Finanzindustrie, dort scheint es wirk­lich eine Ansammlung von gut ver­die­nen­den Unwissenden zu geben.