Seit dem Jahre 2000 gibt es ETFs auch in Europa, zuvor wur­den die­se nur im Börsenmarkt der USA gehan­delt. Mit den bei­den letz­ten Jahren stie­gen die Umsätze in Europa sehr stark an, obwohl wahr­schein­lich nur weni­ge Anlageberater die­se als Alternativen zu aktiv gema­nag­ten Fonds emp­feh­len.

Zwei wich­ti­ge wis­sen­schaft­li­che Theorien stüt­zen die Philosophie des Indexing, dabei han­delt es sich um die Moderne Portfolio Theorie (MPT) und der Effizienten Markt Theorie (EMT). Bei MPT geht es um die Erkenntnis, dass Anlageerfolg durch die Assetklassen mit deren Gewichtung im Portfolio bestimmt wird und nicht durch Wahl von Einzeltiteln. Der Kern der EMT-Theorie besagt, dass der Wertpapierkurs zu jedem gege­be­nen Zeitpunkt alle exis­tie­ren­den Informationen schon beinhal­tet.

Natürlich wird die EMT-Theorie vehe­ment von der Finanzbranche infra­ge gestellt, andern­falls wären ihre Anstrengungen den Mark mit den aktiv gema­nag­ten Fonds zu schla­gen von vorn­her­ein nur ein glück­spiel­ar­ti­ges Unterfangen.

Ich wer­de hier nicht gegen oder für die EMT-Theorie schrei­ben, tat­säch­lich schaf­fen es 80% der aktiv gema­nag­ten Fonds nicht dem Kunden einen Mehrwert zu lie­fern, sprich den Vergleichsindex zu schla­gen. Die teil­wei­sen hohen Ausgabeaufschläge und die ste­tig stei­gen­den Managementgebühren machen die Fonds auch nicht attrak­ti­ver.

Mit dem Indexing muss man sich mit dem Durchschnitt zufrie­den­ge­ben. Wenn aber die Nettorendite zwi­schen den aktiv gema­nag­ten Fonds und den Indexprodukten ver­gli­chen wird, wen­det sich das Blatt der Rendite in Richtung Indexprodukt.

Für die Nachbildung eines Indexes gibt es Index-Zertifikate als gute Alternative zu den ETFs. Ich habe bis­her noch kei­ne Zertifikate gehan­delt und habe mir dar­über noch kei­ne Meinung gebil­det. Hier nun eini­ge Vorteile von ETFs:

  • Die meis­ten Managementgebühren bewe­gen sich zwi­schen 0.25 und 0.5%, es gibt kei­nen Ausgabeaufschlag
  • Die ETFs kön­nen ein­fach wie Aktien am Sekundärmarkt gehan­delt wer­den
  • ETFs sind Sondervermögen und genies­sen damit Schutz vor dem Konkurs des Anbieters
  • Die Zusammensetzung des ETFs ist jeder­zeit bekannt und damit voll­kom­men trans­pa­rent

Neulich habe ich ein inter­es­san­tes Buch von einem Autor gele­sen, wel­cher als Verfechter des Index-Investings gilt.

Die acht Gebote der Geldanlage, Erwin W. Heri
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Die ers­te Auflage erschien im Jahre 1999 und die Zweite im Jahre 2001. Das Buch wid­met sich der Frage wel­che Aktien, zu wel­chem Zeitpunkt gekauft wer­den sol­len. Der Inhalt beschränkt sich auf Aktien und Obligationen. Im Kapitel 2 wer­den die Renditen von Obligationen und Aktien ver­schie­de­ner Aktienmärkte der Welt ab 1960 bis 2000, für den schwei­ze­ri­schen Markt ab 1926, bespro­chen. Aus den gra­fi­schen Darstellungen mit 1,5 und 10 Jahre/n Anlageperioden wird ersicht­lich, wie mit der Zunahme des Anlagehorizontes der Eintritt einer nega­tiv Rendite abnimmt. Der Leser gewinnt die Kenntnis, dass es kei­nen Sinn macht nach kurz­fris­ti­gen Gewinnen zu trach­ten. Im Kapitel 3 erfährt man, dass auch Herr Heri die EMT-Theorie nicht infra­ge stellt, folg­lich gibt es den idea­len Einstiegspunkt nicht — er ist immer. Welche Aktie soll gekauft wer­den, wird in Kapitel 4 mit einer weit gehen­den Diversifikation in den natio­na­len und die inter­na­tio­na­len Märkte beant­wor­tet. In Kapitel 4 und 5 geht es zudem um die Performancevergleiche von akti­ven Fonds mit dem jewei­li­gen Index (Benchmark). Mit zuneh­men­dem Anlagehorizont wird es für den akti­ven Fonds schwie­ri­ger, sei­nen Vergleichsindex zu schla­gen. Der Inhalt des Kapitels 6 mit dem Titel „Haben Sie Spass – die 70:30 Regel der Kapitalanlage“ ist eine Anleitung für das Abweichen der Strategie aus den vor­her­ge­hen­den Kapiteln. Mit den 30% könn­ten kurz­fris­tig basie­rend auf län­ger­fris­ti­gen Analysen eine mög­li­che Mehrrendite erreicht wer­den. Das letz­te Kapitel wird mit den acht Geboten der Geldanlage abge­schlos­sen:

  • Investieren Sie
  • Trachten Sie nicht nach kurz­fris­ti­gem Gewinn
  • Versuchen Sie nicht, den „rich­ti­gen Moment“ zu erwi­schen – es gibt ihn nicht
  • Versuchen Sie nicht, den „rich­ti­gen Titel“ zu erwi­schen – es gibt ihn nicht
  • Versuchen Sie nicht, mehr zu wis­sen als der „Markt“, denn der „Markt“ weiss viel
  • Seien Sie dis­zi­pli­niert
  • Haben Sie Spass, aber – Strategie First
  • Trauen Sie kei­nem

Das Buch gab mir eini­ge Lichtblicke bezüg­lich der Renditen und des Risikos wäh­rend eines lan­gen Anlagehorizontes, aus­ser­dem wur­den erfreu­li­cher­wei­se die Daten von euro­päi­schen und schwei­ze­ri­schen und nicht nur des U.S. Markt ana­ly­siert. Auf Grund des Erscheinungsdatums des Buches fehlt eine sta­tis­ti­sche Auswertung über die 6 letz­ten Jahre, dies wäh­re sicher­lich inter­es­sant. Für mich ist die 70:30 Regel ein biss­chen eine Motivierung zu einem gefähr­li­chen Spiel und zudem ein gewis­ser Widerspruch zum rest­li­chen Inhalt des Buches. Sicherlich ist Indexing nicht sehr span­nend und her­aus­for­dernd für einen Investmentprofi aber für den nor­ma­len Anleger kann die 70:30 Regel zur Falle wer­den. Die Aktie für eine lang­fris­ti­ge Anlegestrategie nicht das ris­kan­te, son­dern viel­mehr ren­ta­bels­te Vehikel dar­stellt ist die Kernaussage die­ses Buches. Diese Lektüre kann ich als Ergänzung zu einem Portfoliobuch sehr emp­feh­len.

Ich wer­de hier eini­ge Ausführungen bezüg­lich einer Einmaleinlage gegen­über eines gestaf­fel­ten Einstieges dis­ku­tie­ren. Folglich ist qua­si das auto­ma­ti­sche Cost Averaging (CA) der Sparpläne nicht Inhalt die­ses Textes.

Dem Markteinstieg auf einen Schlag kurz vor einem Crash möch­te sicher­lich jeder­mann ver­mei­den. Andererseits auf den nicht vor­her­seh­ba­ren opti­ma­len Einstiegszeitpunkt zu war­ten, ist wegen der mög­li­chen lan­gen Abwesenheit die durch eine posi­ti­ve Aktienmarktrendite geprägt sein kann auch kei­ne Alternative.

Mit dem Durchschnittskosteneffekt wird eine Investition in eine Anlage über einen län­ge­ren Zeitraum ver­teilt, dabei wer­den bei­spiels­wei­se monat­li­che oder quar­tals­wei­se glei­che Beiträge ein­be­zahlt.

Es ist frag­los das ein posi­ti­ver CA-Effekt bei nur stei­gen­den Kursen aus­bleibt. Die CA-Strategie erwirt­schaf­tet höhe­ren Renditen gegen­über eines Einmalinvestment bei fal­len­den Kursen mit nach­fol­gen­dem Anstieg der Kurse. Letztlich wird mit einer CA-Strategie die Streuung redu­ziert, was sich aber oft­mals mit einem ver­min­der­ten Aufwärtspotenzial erkauft wer­den muss. Da der Aktienmarkt über län­ge­re Zeit betrach­tet steigt, ver­min­dert sich das Risiko einer Einmaleinlage über einen län­ge­ren Anlagezeitraum eben­falls. In [1] wird eine Staffelungsdauer von 18 bis 48 Monaten emp­foh­len. Es gibt eini­ges an kri­ti­schem Material über den CA-Effekt sie­he [2] und [3], zudem haben Wissenschaftler bewie­sen, dass kei­ne Renditeerhöhung gegen­über einer Vollinvestition besteht.

Im Buch “Die intel­li­gen­te Asset Allocation” von Willam J. Bernstein bin ich auf das Buch Value Averaging auf­merk­sam gemacht wor­den:

Value Averaging, Michael E. Edleson
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Das Ziel beim Value-Averaging (VA) ist nicht eine bestimm­te Summe in regel­mäs­si­gen Abständen zu inves­tie­ren, son­dern eine Steigerung der Gesamtinvestition um eine bestimm­te Summe zu errei­chen. Zum Beispiel möch­te man im Januar CHF 1’000, im Februar CHF 2’000 und am Ende des Jahres CHF 12’000 in die Anlage inves­tiert haben. Steigt der Kurs der Anlage im Januar auf CHF 1’500, so wird in Februar nur eine Investition von CHF 500 getä­tigt. Dadurch wer­den mehr Anteile bei sin­ken­dem Kurs und weni­ger Anteile bei stei­gen­dem Kurs gekauft. Das Buch erschien 1993 und erhielt mit der 2006 Edition eine Nachführung der Strategie auf die Jahre 1990/1991 bis 2005. Im Kapitel 1 geht es um Risiko, Rendite, Market Timing und der Strategie eines Timings, das auf eine Formel basiert. Kapitel 2 wid­met sich dem Dollar Cost Averaging (DCA), die Funktionsweise und des­sen Nachteile wer­den dis­ku­tiert. Die Vorstellung der VA-Strategie erfolgt mit Kapitel 3, dabei wer­den auch die Nachteile der Langzeit Performance bespro­chen. Im Kapitel 5 und 6 wer­den die bei­den DCA- und VA-Strategien imple­men­tiert. In Kapitel 6 geht um die Vermeidung von zu viel Steuern und Courtagen, wobei die Ausführungen mehr­heit­lich für den U.S. Markt nütz­lich sind. In den fol­gen­den zwei Kapiteln lernt man das Erstellen von Simulation und des­sen Anwendung auf DCA und VA. Auch wenn die Märkte effi­zi­ent sind, kann es kurz­fris­tig zu Überreaktionen kom­men, wie sich die­se auf DCA und VA mit unter­schied­li­cher Zahlungsfrequenz aus­wir­ken, wird in Kapitel 9 beschrie­ben. Die letz­ten bei­den Kapitel geht es um die Umsetzung der VA-Strategie mit teil­wei­sen kon­kre­ten Fonds. Natürlich müs­sen dazu die Hinweise (2006 Note) beach­tet wer­den, seid 1991 hat sich die Produktvielfalt erheb­lich geän­dert.

Ich fand in die­sem Buch eine gute Strategie für einen gestaf­fel­ten Einstieg. Die VA- ist der DCA-Strategie über­le­gen, wenn es an der Börse rauf und run­ter geht. Das Buch ent­hält ein biss­chen mehr Mathematik als die übli­chen Börsenbücher, wobei die­se gröss­ten­teils auf Zinses-Zins Berechnung beru­hen. Unter Wiley Buchseite kön­nen Excel-Dateien her­un­ter­ge­la­den wer­den, die im Buch aus­führ­lich erklärt sind.

[1] Economic Briefing Nr. 35 der Credit Suisse
[2] Gibt es einen Cost-Average-Effekt?
[3] Der Cost Avarege Effekt in der Anlageberatung – Einsatzmöglichkeiten und Grenzen sowie deren mathe­ma­ti­schen Hintergründe

Ich per­sön­lich glau­be nicht, dass ich den Markt schla­gen kann, trotz­dem lese ich ab und zu ein Buch, das dem Privatanleger das Gegenteil ver­mit­teln will. Aus fol­gen­den Gründen kann der Markt nicht geschla­gen wer­den:

  • Bekanntlich schla­gen 80% der Fondsmanager den Index nicht, trotz ihrer Researchabteilung, die ihnen einen Informationsvorsprung ver­schaf­fen soll­ten.
  • Obgleich dem Computerpower der Banken, Mathematiker und Analysten für Data-Mining auf his­to­ri­schen Daten, ist ihre Performance nicht bes­ser.
  • Oft wer­den die Strategien von Warren Buffet ange­führt, auch wenn die­se heu­te viel­leicht noch funk­tio­nie­ren, glau­be ich nicht, dass ein klei­ner Privatanleger die psy­cho­lo­gi­schen Eigenschaften mit­bringt, die­se umzu­set­zen. Die meis­ten Privatanleger wol­len den Erfolg einer posi­ti­ven Kursentwicklung inner­halb von weni­gen Monaten sehen. Zudem schmer­zen die Verluste zu stark, was all­zu oft zum irra­tio­na­len Handeln führt.
  • Auch wenn die Märkte nicht 100% effi­zi­ent sind und es gele­gent­lich Über- oder Unterreaktionen gibt, blei­ben Sie effi­zi­ent genug, womit sich ein akti­ves Management nicht rech­net.

Es gibt sicher Privatanleger die glau­ben den Markt zu schla­gen und viel­leicht ist dies auch mög­lich. Das fol­gen­de Buch für wert­ori­en­tier­tes Investieren könn­te sich dabei als hilf­reich erwei­sen.

Regel Nummer 1, Phil Town

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Warum der Titel “Regel Nummer 1”: “Für Geldanlagen gibt es nur zwei Regeln. Regel 1: Kein Geldverlieren. Regel 2: Regel 1 nicht ver­ges­sen”. Dieses Buch lehnt sich stark an die Philosophie von Warren Buffet und Benjamin Graham.

Das ers­te Kapitel „Investmentmythen“ ist zugleich Eigenwerbung für die­ses Buch, es eben selbst bes­ser zu machen. Hier die drei Investmentmythen:

  • Nur Fachleute kön­nen Geld ver­wal­ten
  • Sie kön­nen den Mark nicht schla­gen
  • Diversifizieren und (lang­fris­ti­ges) Halten mini­miert das Risiko am bes­ten

Ab Kapitel 2 geht es an die Phil Town Strategie. Ein Regel-1-Investing besteht aus vier kla­ren Schritten:
1. Ein wun­der­ba­res Unternehmen fin­den
2. Feststellen was das Unternehmen wert ist
3. Es 50% bil­li­ger kau­fen
4. Wiederholen, bis man sehr reich ist

Ein wun­der­ba­res Unternehmen muss die vier fol­gen­den MS (Meaning, Moat, Managment, Margin of Saftey) erfül­len:

  • Hat das Unternehmen für Sie eine Bedeutung?
  • Hat das Unternehmen einen brei­ten, schüt­zen­den Burggraben?
  • Hat das Unternehmen ein sehr gutes Management?
  • Hat das Unternehmen ein gros­ses Sicherheitspolster?

Ob ein Burggraben exis­tiert wird anhand von fünf Fundamentaldaten ermit­telt:

  • Kapitalrendite ≥ 10% pro Jahr über 10 Jahre
  • Umsatzwachstum ≥ 10% pro Jahr über 10 Jahre
  • Wachstum des Gewinns ≥ 10% pro Jahr über 10 Jahre
  • Wachstum des Eigenkapitals ≥ 10% pro Jahr über 10 Jahre
  • Wachstum des frei­en Cashflows ≥ 10% pro Jahr über 10 Jahre

In den Kapiteln 3 – 8 wer­den anhand von prak­ti­schen Beispielen die Bestimmung der vier MS und die der fünf Fundamentaldaten aus­führ­lich beschrie­ben. Im Kapitel 9 geht es um die Berechnung des Empfehlungspreises eines Unternehmens. Auch wenn gemäss Warren Buffet ein wun­der­ba­res Unternehmen nie ver­kauft wer­den muss, lernt der Leser den rich­ti­gen Verkaufszeitpunkt in Kapitel 10 zu erken­nen. Ein Verkauf soll­te unter den zwei Bedingungen erfol­gen:

  • Wenn das Unternehmen nicht mehr wun­der­bar ist
  • Wenn der Marktpreis den Empfehlungspreis über­schrei­tet
  • Auf Grund fol­gen­der drei Werkzeuge von Kapitel 12 trifft der Investor sei­ne Kauf- und Verkaufsentscheidungen.

    • 8–17-9-MACD
    • 5–5 Stochastik-Indicator
    • 10 Tage glei­ten­der Durchschnitt

    Wenn die insti­tu­tio­nel­len Anleger Käufe oder Verkäufe täti­gen, wer­den die­se drei tech­ni­schen Indikatoren dem Privatanleger die ent­spre­chen­den Signale lie­fern.

    Im wei­tern erfährt der Leser das er sich unter bestimm­ten Bedienungen ein “Riski Biz” Portfolio leis­ten darf, die­ses soll­te aber höchs­tens 10% des Gesamtportfolios umfas­sen. Er hat natür­lich auch erkannt, dass es mit sei­ner Hauptstrategie sonst nicht mög­lich ist, in Jungunternehmen zu inves­tie­ren.

    Ich hal­te die­ses Buch für einen sehr prak­ti­schen Ratgeber. Der Leser erfährt, wie man sich die benö­tig­ten Daten im Internet beschafft und die­se aus­wer­tet. So eine exak­te Anleitung für das wert­ori­en­tier­te Investieren habe ich bis­her noch nicht gele­sen. Was mir fehlt, ist eine sta­tis­ti­sche Auswertung sei­ner Strategie auf his­to­ri­schen Daten, andern­falls weiss ich nicht ob, die­se über­haupt in der Vergangenheit funk­tio­niert hat. Ich bezweif­le zudem das der wöchent­li­che Aufwand von nur 15 Minuten genügt, für die Umsetzung der Strategie. Die Strategie der Konzentration auf weni­ge Titel, die mög­li­cher­wei­se mehr­mals ver­kauf bzw. gekauft wer­den, miss­fällt mir wegen der man­geln­den Diversifikation. Trotzdem kann ich die­ses Buch dem Stockpicker emp­feh­len, der bis­her kei­ne Strategie hat­te.

    Links

    Phil Town

    Über 90% der Rendite eines Portfolios wird von den ent­hal­te­nen Asset-Klassen bestimmt. Weniger als 10% der Rendite geht auf die inner­halb einer Asset-Klasse ent­hal­te­nen Wertpapiere aus. Den Fokus auf die heis­sen Aktientipps aus­zu­rich­ten hal­te ich als rei­ne Zeitverschwendung.

    Ich habe eini­ge Börsenbücher gele­sen, die Portfoliotheorie nicht ein­mal erwäh­nen:

    • Bottis Geldbuch, Beobachter
    • Der neue Aktienberater, Uwe Lang

    Ich könn­te der Aufzählung noch eini­ge Bücher hin­zu­fü­gen, wo das Thema Diversifikation wei­nig oder gar kei­ne Behandlung fin­det.

    Ich ver­su­che mei­ne Vermögensaufteilung vor­wie­gend mit Index-ETFs umzu­set­zen und der Versuchung den Handel mit Einzeltiteln zu wider ste­hen. Jedoch gelingt mir dies noch nicht voll­stän­dig, ich hal­te noch zwei bis drei über­ge­wich­te­te Einzeltitel in mei­nem Portfolio.

    Ich will hier kei­ne Abhandlung über Asset Allokation schrei­ben, die­se Arbeit haben eini­ge Autoren schon lan­ge her­vor­ra­gend besorgt. Ich habe zu die­sem Thema vor Kurzem, zwei sehr gute Bücher gele­sen und im Internet gibt es auch noch eini­ge nütz­li­che Gratisinformationen.

    Bücher

    Ich fin­de die bei­den fol­gen­den Bücher gleich­wer­tig, obwohl das „All About Asset Allocation“ ein biss­chen Praxisbezogener ist und die ein­zel­nen Anlagekategorien aus­führ­li­cher bespricht. Ich den­ke eines der bei­den Bücher soll­te jeder Anleger in sei­ner Bibliothek (natür­lich gele­sen) haben.

    All about Asset Allocation, Richard A, Ferri, CFA

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    Im Kapitel 1 wird kurz erklärt, was Asset Allokation ist und war­um dies wich­tig ist. Das Kapitel 2 dis­ku­tiert die Relation zwi­schen Risiko und Rendite. Mit Kapitel 3 und 4 wird dem Leser der Begriff Korrelation zwi­schen Asset-Klassen erläu­tert und wie sich das Risiko bei glei­cher blei­ben­der Rendite ver­min­dern lässt. Dass die Korrelation zwi­schen Asset-Klassen mit der Zeit ändert und die ursprüng­li­che Gewichtung der Asset Klassen durch ein Readjustierung wie­der erreicht wer­den soll­te, bleibt nicht uner­wähnt. Auch wenn das Finden von meh­re­ren Asset-Klassen mit nied­ri­gen Korrelationskoeffizienten nicht mög­lich ist, soll­te ein Portfolio mit meh­re­ren Asset-Klassen das Ziel sein. Die unter­schied­li­chen Asset-Klassen wie U.S. Aktien, inter­na­tio­na­le Aktien, Obligationen, Immobilien und alter­na­ti­ve Anlagen wer­den in den Kapiteln 5 – 10 bespro­chen. Bei den alter­na­ti­ven Anlagen wer­den die Hedge Funds nicht emp­foh­len, weil die Rendite oft­mals nicht über deren von Bundesobligationen liegt. Zudem sind die wenig staat­lich gere­gel­ten Hedge Fonds nicht sehr gesprä­chig bezüg­lich ihrer Rendite und Risiko. Im Kapitel 13 geht es um die zukünf­ti­ge Erwartung an den Markt. Auf Grund von his­to­ri­schen Daten wer­den die Risiken und Rendite von den ein­zel­nen Asset-Klassen auf­ge­zeigt. Bei der zwei­ten Methode wer­den das BIP-Wachstum und der S&P 500 in Relation gebracht, deren Langzeit Korrelationskoeffizient 0.9 beträgt. Im Kapitel 12 geht es um die Implementierung eines Portfolios in Abhängigkeit des Lebensabschnittes. Kapitel 13 ist dem Thema Behavioral Finance und der Ermittlung der per­sön­li­chen Risikotoleranz gewid­met. Im letz­ten Kapitel geht es um die Steuern, Kosten von Fonds und der Vermögensverwaltung durch Dritte.

    Der Titel ver­spricht nicht zu viel, das Buch ist her­vor­ra­gend struk­tu­riert und die Informationen sind ver­ständ­lich dar­ge­legt. Es ist zwar für den U.S-Anleger geschrie­ben, da es sich aber um Asset Allokation han­delt, wer­den natür­lich die Internationale Anlagekategorien aus­führ­lich behan­delt. Mir gefällt das Kapitel 13 beson­ders, dort wird ein Beispiel eines Asset Allokation Stress Test über die Jahre 2000 – 2002 simu­liert, was eine nega­ti­ve Portfolio Rendite ergibt. Vielleicht eine Hilfe bei der Einschätzung der eige­nen Risikotoleranz. Es ist das güns­tigs­te Börsenbuch in mei­ner Bibliothek aber defi­ni­tiv qua­li­ta­tiv eines der Besten.

    Die intelligente Asset Allocation, William J. Bernstein

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    Im ers­ten Kapitel erfährt der Leser eini­ges über Standardabweichung und Renditereihen. Das zwei­te Kapitel ana­ly­siert die Obligationen und Aktien der USA von 1926 – 1998 bezüg­lich Risiko und Rendite. Wegen beschränk­ter Datenbasis wird der Zeitraum der glo­ba­len Auswertungen von 1970 – 1998 ein­ge­schränkt, aber mit dem Hinzunehmen von wei­te­ren Anlagekategorien. Man liest, wie län­ger ein ris­kan­tes Wertpapier gehal­ten wird, des­to gerin­ger die Wahrscheinlichkeit eines schlech­ten Ergebnisses. Aus Kapitel 3 kann die Erkenntnis gezo­gen wer­den, dass die Diversifikation zwi­schen nicht kor­re­lier­ten Assets die Risiken redu­ziert und die Renditen erhöht. Kapitel 4 wird das Verhalten rea­ler Wertpapierdepots anhand his­to­ri­scher Daten unter­sucht, dabei erfährt man, dass eine klei­ne Menge von Anleihen in einem fast rei­nen Aktiendepot nur zu einer leich­ten Renditeminderung führt, aber das Risiko erheb­lich senkt. Auch in die­sem Buch bleibt die Wichtigkeit der Readjustierung nicht uner­wähnt. Bei Kapitel 5 geht es um die opti­ma­le Depotstruktur, dabei wird die Mittelwert-Varianzanalyse kurz erläu­tert, wei­ter erfährt man, dass die Korrelationen sehr stark schwan­ken kön­nen. Auch die­ses Buch nimmt den Anleger in Kapitel 6 die Illusion den Markt timen zu kön­nen und an nega­ti­ver Kritik an den Fondsmanager man­gelt es auch nicht. Hingegen wer­den die pas­siv gema­nag­ten Instrumente auf Grund der nied­ri­gen Kosten als die ver­nünf­ti­ge Art des inves­tie­ren geprie­sen. In Kapitel 7 geht es über Substanzwert ver­sus Wachstumstitel, Währungsabsicherung, dyna­mi­sche Asset-Allokation, Behavioral Finance usw. Die im Kapitel 8 emp­foh­le­ne Implementierung der Asset-Allokation Strategie ist teil­wei­se auf den U.S. Markt aus­ge­legt, trotz­dem hat es für den euro­päi­schen Anleger nütz­li­che Tipps, wie der Umgang mit Asset-Allokation im Ruhestand. Das Kapitel wird mit nütz­li­chen Ratschlägen abge­schlos­sen. Im Schlusskapitel geht es um Informationsquellen für Investoren wie Literatur und Websites.

    Das Buch ist in deut­scher Sprache geschrie­ben und daher viel­leicht gegen­über „All About Asset Allocation“ ein­fa­cher zu lesen. Der Detailgrad ist im ers­te­ren Buch ein biss­chen höher, was die­sem Bernstein Buch aber nicht abträg­lich ist.

    Links

    Efficient Frontier
    Portfoliotheorie.com
    Inputparameter für die stra­te­gi­sche Asset-Allocation
    Allianz Portfolio Praxis