Im Februar 2006 kau­fe ich mei­ne ers­ten Aktien, zuvor waren mir die Handelsbörsen völ­lig egal. Noch, bis vor 11 Jahren hät­te, ich auch nicht genü­gend Geld gehabt, um in Wertpapiere zu inves­tie­ren. Ich benutz­te mein selbst ver­dien­tes Geld aus­schliess­lich für das Reisen. Das Geld was ich bis­her wenig erfolg­reich an der Börse inves­tier­te habe, kam ich der Brieftasche mei­ner Eltern ver­dan­ken.

Da ich meh­re­re län­ge­re Reisen und Sprachaufenthalte mach­te, habe ich schon eini­ge Male mei­ne Erwerbstätigkeit für die Zeitdauer von 9 – 13 Monaten auf­ge­ge­ben, dabei habe ich mich nie um Finanz- oder Wirtschaftskrisen geküm­mert. Ich hat­te mit einer Ausnahme auch immer mei­ne Arbeitgeber gekün­digt, in mei­nen über 20 Jahren als Softwareentwickler habe ich den Arbeitgeber schon zir­ka 8-mal gewech­selt, wobei ich auch schon zwei­mal indi­rekt wie­der für den­sel­ben gear­bei­tet habe. Natürlich spür­te ich die Konjunkturzyklen bei der Jobsuche, in eini­gen Jahren wie bei­spiels­wei­se im Jahre 2000, war die Jobsuche sehr ein­fach in andern Jahren wie­der etwas schwie­ri­ger, ob dies mit den Aktienkursen kor­re­liert, habe ich nicht unter­sucht.

Auf Grund mei­ner bes­se­ren finan­zi­el­len Lage hat­te ich in der zwei­ten Jahreshälfte des Jahres 2006 auch eini­ge Beratungsgespräche bei ver­schie­de­nen Banken. Dazu gehör­ten auch die UBS und CS, übri­gens kann ich sol­che Gespräche sehr emp­feh­len. Ich habe aber nie eines von den Beratern emp­foh­len Produkt gekauft, ich fand die­se Gespräche aber moti­vie­rend genug, um mich selbst mit der Materie des Investierens aus­ein­an­der­zu­set­zen.

Wie mehr ich mich mit dem Thema Investieren beschäf­tig­te, je mehr merk­te ich, dass ich mei­ne Anlageentscheidungen selbst tref­fen woll­te. Daraus ent­stand auch die­ses Weblog, ich bin heu­te je den mehr über­zeugt, dass die meis­ten Privatanleger mit Geduld, Disziplin und der geeig­ne­ten Börsenonline-Handelsplattform sein Portfolio selbst mana­gen kann.

Auch wenn ich heu­te mehr mate­ri­el­les Vermögen habe, als noch vor eini­gen Jahren, füh­le ich mich nicht glück­li­cher. Beispielsweise mach­te ich im Oktober 2007 eine 10-tägi­ge Frachtschiffreise von Le Havre nach Guadeloupe, ich war wäh­rend die­ser Zeit ohne Börsenkurse. Aber schon zwei Tage nach mei­ner Ankunft in Guadeloupe hat­te ich mei­ne ers­ten Börsentransaktionen aus­ge­löst. Ich wur­de zeit­wei­lig zum Sklaven der täg­li­chen Börsenkurse, dadurch das die Börse in den letz­ten Monaten so vola­til waren, habe ich mich die­sen Fesseln wie­der befreit. Heute kön­nen mir auch ein Auf oder Ab von eini­gen Prozenten an einem Tag nichts mehr anha­ben, wobei ich in den letz­ten bei­den Monaten nur noch wäh­rend mei­ner Mittagspause ab und zu die Obligationskurse kurz betrach­te­te.

Da ich finan­zi­ell unab­hän­gig bin, stel­len sich aber auch posi­ti­ve Effekte ein. Beispielsweise erlau­be ich mir, gewis­se schwei­ze­ri­sche Eliten oder auch Banken in mei­nem Weblog zu kri­ti­sie­ren. Wahrscheinlich ver­spie­le ich damit die Chance, jemals für eine schwei­ze­ri­sche Grossbank als Informatiker arbei­ten zu kön­nen. Dieses Risiko gehe ich aber ger­ne ein, es muss auch in der Schweiz noch Leute geben, wel­che die ver­fehl­te Politik unse­rer Eliten infra­ge stellt. Auch die Einheimischen der ärme­ren Länder kön­nen nun wäh­rend mei­ner Reisen auf bes­ser Deals mit mir hof­fen. Ich las­se mich lie­ber von einem armen Afrikaner für sein Kunsthandwerk abzo­cken als von einem über­zahl­ten Taugenichts einer Grossbank.

Ich habe mir vor­ge­nom­men, nur noch weni­ge Einträge in die­sem Weblog über das Investieren bzw. Wirtschaftskrise zu schrei­ben. Nach drei Jahren inten­si­ver Beschäftigung mit Geldanlagen und der in den Medien all­ge­gen­wär­ti­gen Finanz- und Wirtschaftskrise ver­liert für mich das Thema den Reiz. SF Börse des SF1 kann ich schon gar nicht mehr schau­en und auch Bloomber-TV lang­weilt mich immer mehr – es kann auch zu viel sein. Das Geschehen an den Märkten ist mei­ner Meinung nach geprägt von Zufall und die von den teu­ren Experten her­vor­ge­brach­ten ein­fa­chen und leicht eru­ier­ba­ren Kausalitäten, die das Geschehen begrün­den sol­len, als ein bei­läu­fi­ges Rauschen zu igno­rie­ren.

Ferner ist der Aufwand für die Erstellung die­ses Weblog zeit­in­ten­siv und es ist frag­lich, ob ich mein ange­peil­tes Zielpublikum damit errei­chen kann.

Aktienperformance im 2008

 

Index Punktestand 31.12.2008 Performance 2008
SMI 5534.53 -35%
SPI 4567.57 -34%
S&P 500 903.25 -38.5%
Dow Jones 8776.39 -34%

Die Marktkapitalisierung in der Schweiz ist gegen­über dem Vorjahr um fast 400 Milliarden CHF geschrumpft, die­se Summe ent­spricht 80% im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Weltweit wur­den gemäss Bloomberg 30‘000 Mrd. CHF an Börsenwerten ver­nich­tet.

Die Prognosen der Schweizer Wirtschaftseliten für das 2008

Wie sich die Börsenprofis bei ihren Prognosen für das Jahr 2008 dane­ben lagen, kön­nen Sie mei­nem Blog unter der Kategorie Prognosen Profis 2008 ent­neh­men und mit den oben ange­ge­be­nen Punkteständen der Indizes ver­glei­chen. Fast alle hat­ten für das Jahr 2008 stei­gen­de Kurse pro­gnos­ti­ziert, daher lagen die meis­ten Experten je nach Indizes zwi­schen 35 bis 45% dane­ben. Die Prognosen der Aktienexperten waren in den bei­den letz­ten bei­den Jahren völ­lig falsch, aber auch die Ökonomen mit ihren Konjunkturprognosen waren viel zu opti­mis­tisch, hier­zu zwei Beispiele:

28.12.07–10.1.08: stocks, Seite 12, “Herr Jaeger kaufen Sie jetzt Aktien?”

Stocks: Eine an den Börsen heiss dis­ku­tier­te Frage: Wird die Hypothekenkrise die USA in eine Rezession füh­ren?
Jaeger: Nein, das sehe ich zur­zeit über­haupt nicht. Die USA sind enorm wett­be­werbs­fä­hig. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts betrug im drit­ten Quartal hoch­ge­rech­net aufs Jahr 4.9%. Das ist ein sen­sa­tio­nel­ler Wert. Die Arbeitsproduktivität wuchs gemäss neus­ten Zahlen um mehr als sechs Prozent. Wer da eine bevor­ste­hen­de Rezession sieht, den ver­ste­he ich schlicht­weg nicht.

Stocks: Ein Börsencrash ist somit unwahr­schein­lich?
Jaeger: Mit Blick auf die real­wirt­schaft­li­che Entwicklung ist ein sol­cher Crash kaum vor­stell­bar.

Stocks: Haben Sie in den ver­gan­ge­nen zwei Monaten Aktien gekauft?
Jaeger: Das habe ist. Unter ande­rem Aktien von UBS.

Der Wirtschaftsprofessor Franz Jaeger erwar­tet für das Jahr 2008 ein Wachstum des Schweizer Bruttoinlandsproduktes von 2.0 bis 2.5%. In die­sem Rahmen bewe­gen sich auch die Schätzungen der Schweizer Konjunkturforschungsstellen. Die BAK Konjunkturforschung Basel rech­net für das Jahr 2008 mit einem Plus von 2.3%. Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich pro­gnos­ti­ziert ein rea­les BIP-Wachstum von 2.1%. Und das Seco schätzt, dass die Schweizer Wirtschaft im nächs­ten Jahr um 1.9% wach­sen wird.

Weltwoche 42/08, Gerold Bührer ist Präsident von Economiesuisse, “Die Schweiz muss die Chance packen”

Pessimisten und Liberalismuskritiker in Europa und auch in der Schweiz pro­kla­mie­ren bereits das Ende des Kapitalismus. Sie rufen nach mas­si­ven staat­li­chen Interventionen und sehen die Felle der frei­heit­li­chen Ordnung nicht ohne Schadenfreude davon­schwim­men. Dies, obwohl in der Schweiz im Gegensatz zu den USA und ande­ren Ländern bis­her kei­ne Steuergelder zur Rettung kon­kur­si­ter Banken ein­ge­setzt wer­den muss­ten. Und auch aus der Industrie kom­men, anders als in zahl­rei­chen Ländern, kei­ne Subventionsbegehren. Ich bin über­zeugt: Das schwei­ze­ri­sche Bankensystem und auch der Werk- und Dienstleistungsplatz wider­ste­hen dem Sturm ein­mal mehr.
Die Schweizer Banken gehö­ren zu den best­ka­pi­ta­li­sier­ten Instituten der Welt. Schon in der gros­sen Immobilienkrise der neun­zi­ger Jahre, wo über fünf­zig Milliarden Franken Abschreibungen ver­daut wer­den muss­ten, bedurf­te es kei­nes Steuerfrankens zur Rettung pri­va­ter Banken.

Weltwoche 42/2008


Am Erscheinungsdatum die­ses Berichts muss­te die UBS durch die SNB und den Bund geret­tet wer­den.

Mein Portfolio 2008

Ich habe das Börsenjahr 2008 mit einem Minus von zir­ka 4% abge­schlos­sen. Wenn Sie die Bilanz mei­ner Anlageklassen lesen, so sehen Sie fast nur Verlierer. Nun, bis und mit dem Lehman Brother Desaster vom 15.9.2008 besass ich eini­ge Short-ETFs auf unter­schied­li­chen Aktienindizes. Am 16.9.2008 habe ich mei­ne letz­te Shortposition ver­kauft, und habe danach lang­sam Longpositionen in Aktien und Aktien-ETFs auf­ge­baut. Bis zu die­sem Zeitpunkt war ich über 3% im Plus, ich habe die Auswirkungen auf die Aktienkurse die­ser Insolvenz völ­lig falsch ein­ge­schätzt. Zudem brach der Kurs von Immoeast ab September rich­tig­ge­hend ein.

Meine grössten Verlierer

 

Anlage Kurs vom 31.12.2008 2008
Immoeast Aktie Immobiliengesellschaft 0.46 -82.61
GBP Währung 1.5599 -30.67
EasyETF GSCI (USD) 35.6 -24.55

Fremdwährungen

Die Fremdwährungen haben mich im 2008 sehr viel Rendite gekos­tet. Wobei dies in der Zukunft sehr schnell wie­der ändern kann, seit der Rettung der UBS durch den Bund und der Nationalbank glau­be ich nicht mehr an die Zukunft eines noch stär­ke­ren CHF. Die Schweiz setzt auf die Karte Hoffnung, die­se könn­te sich bei der mög­li­chen nächs­ten Verwerfung am Bankensystem als Trugschluss erwei­sen.

Währung Kurs vom 31.12.2008 2008 Gesamte Rendite
EUR 1.49 -9.29 -6.6%
GBP 1.5599 -30.67 -36.15%
USD 1.0677 -3.88 -5.1%

Den GBP hät­te ich lie­ber nicht mehr in mei­nem Portfolio, ich glau­be Grossbritannien wird eine schwe­re Wirtschaftskrise durch­le­ben.

Assetklassen

Anleihen

Ich hat­te bis­her noch nie Staatsanleihen in mei­nem Portfolio, ich bevor­zu­ge Unternehmensanleihen mit der Bonität Investement-Grade. Wie dem fol­gen­den Chart ent­nom­men wer­den kann, stürz­ten die Kurse die­ser Unternehmensanleihen kur­zei­tig sehr stark ab.

iShares € Corporate Bond (DE0002511243)

Viele Börsenprofis prei­sen die Unternehmensanleihen für das 2009 an, ich bin der Meinung, dass die­se Empfehlung zu spät kommt. Gute Kaufgelegenheiten für den Privatanleger gab es im September, Oktober und November des 2008. High Yield Unternehmensanleihen soll­ten der Privatanleger in Fonds oder viel­leicht auch in einem ETF wie dem db x-tra­ckers Itraxx Crossover 5-Year Total Return Index ETF (ISIN LU0290359032) kau­fen. In den USA gibt es auch eini­ge High Yield ETF, natür­lich in USD. Wenn ich die­ser Anlageklasse auch die Währungsverluste des GBP und EUR zu rech­nen müss­te, wäre die Bilanz auch nicht gera­de posi­tiv.

Aktien

Mein Aktien und Aktien-ETFs sind zwi­schen 2 bis 20% im Minus.

Immobilien

Mit Immobilienfonds habe ich im Jahr 2008 eini­ge Gewinne ver­bu­chen kön­nen, aber schon wie erwähnt war die Immobiliengesellschaft Immoeast die schlech­tes­te Position in mei­nem Portfolio, daher ist auch in die­ser Anlageklasse mei­ne Rendite nega­tiv.

Rohstoffe

Beim ZKB-Gold ETF gab es leich­te Verluste, viel­mehr habe ich mit dem EasyETF GSCI ver­lo­ren.

Sparkonto, Festgeld und Geldmarkt

Die aktu­el­len Anteile in Cash und Anleihen in mei­nem Portfolio haben etwa den­sel­ben pro­zen­tua­len Anteil. Auf Grund der Zinssenkungen der SNB ist eine Festgeldanlage inzwi­schen unat­trak­tiv, bei einem Sparkonto erhält man zur­zeit höhe­re Zinsen. Eine Alternative für das Anlegen von EUR ist der db x-tra­ckers EONIA Total Return Index ETF (LU0290358497) . Wobei dabei der Gewinn durch die Courtage und eidg. Umsatzabgabe für eine Anlagedauer unter einem Jahr gering aus­fällt.

Strukturierte Produkt und Wandelanleihe

Meine Bedenken gegen­über struk­tu­rier­ten Produkten kön­nen Sie im Eintrag “Exchange Traded Funds (ETF) die Alternative zu Strukturierte Produkten und Aktienfonds” nach­le­sen. Trotzdem kauf­te ich mir am 31.10.2008 zum ers­ten Mal eine Wandelanleihe, weil der Preis mit 96 deut­lich unter CHF 100 lag. Eine Wandelanleihe unter­schei­det sich aber zu einem struk­tu­rier­ten Produkt mit Kapitalschutz:

  • Wahrscheinlich sind die Wandelanleihen güns­ti­ger und sicher­lich trans­pa­ren­ter, was die Preisfeststellung und Bewertung anbe­langt.
  • Die Liquidität einer Wandelanleihen ist weit höher als bei einem struk­tu­rier­ten Produkt, da sie nor­ma­ler­wei­se von vie­len Markteilnehmern gehan­delt wird.

Altersvorsorge mit 3a

Bisher hat­te ich eine beschei­de­ne Summe in den UBS Vitainvest 25 (CH0022476466) inves­tiert. Da ich aber einen Teil mei­ner Bankbeziehung zur UBS auf­lös­te, wech­sel­te ich in den Mi-Fonds (CH) 40 V (CH0023406520).
Beide Finanzinstitute bie­ten einen Fond mit einem Aktienanteil von 40% an, hier­zu den Performance-Vergleich für die bei­den Jahre 2007 und 2008.

Fonds Courtage/
Ausgabekommission
Depotkosten Kosten (TER) p.a. 2007 2008
Mi-Fonds (CH) 40 V kei­ne kei­ne 0.92% 0.5% -16.8%
UBS Vitainvest 40 maxi­mal 3% 0.1% 1.62% -1.35% -18.46%

Beide 3a-Fonds kön­nen nicht über­zeu­gen, die Kosten beim UBS-Fonds lie­gen zudem mit 1.62 p.a. sehr hoch. Weiter berech­net die UBS die Depotkosten und eine Ausgabekommission beim Kauf von Anteilen, nicht so die Migrosbank.

Gemäss dem Tagesanzeiger erziel­ten im Jahre 2008 die UBS-Produkte Vitainvest 40 und Vitainvest 50 die gröss­ten Einbussen aller 3a-Fonds, sie­he “Ein ein­zi­ger 3a-Fonds mit schwar­zen Zahlen”. Die Bilanz kommt zum Schluss, dass es bei den 3a-Fonds enor­me Differenzen gibt. In den letz­ten drei und sie­ben Jahren war die Swisscanto mit ihren Oeko-3-BVG-Produkten die Gewinnerin, wäh­rend die UBS mit ihren Produkten nega­tiv abfällt, sie­he Enorme Differenzen.

In der letz­ten Handelswoche vom November 2008 fand gemäss Bloomberg mit 12% der gröss­te Kursanstieg des S&P 500 seit 34 Jahren statt. Beim MSCI World Index waren es mit 12% gar der höchs­te Kursanstieg sein 1970, sie­he “U.S. Stocks Gain, Capping S&P 500’s Best Weekly Rise Since 1974″.

Meine bisherige Performance im 2008

Zurzeit bin ich in etwa mit 18% in Aktien inves­tiert und habe noch den Short ETF DB X-TR EURO STOXX 50. Dieser Short-ETF dient der Aufrechterhaltung mei­ner Strategie, die ich im mei­nen Blogeintrag “Mein Portfolio 2008″ erklär­te. Im November habe ich kei­ne Aktien bzw. Aktien-ETFs gehan­delt, mein Fokus lag auf den Unternehmensanleihen, mit der Ausnahme, dass ich lei­der mei­nem Flop, sie­he unten — noch gutes Geld nach­ge­wor­fen habe. Mein Portfolio ist YTD immer noch zir­ka 3% im Minus.

Mein erster grosser Flop

Immoeast ist bis­her mein gröss­ter Flop, da habe ich mich völ­lig ver­grif­fen, sie­he “Immoeast: 900 Millionen von der Börse lan­de­ten in Liechtenstein”. Hier droht der ers­te Totalverlust, ohne die­se Immoeast-Transaktionen wäre mein Portfolio sogar leicht im Plus. Nun ist es lei­der nicht so und ich zah­le einen schö­nen Beitrag an die­sen öster­rei­chi­schen Wirtschaftskrimi. In der Zukunft wer­de ich bei der Asset-Klasse Immobilien, nur noch in Immobilienfonds oder in Schweizer Immobiliengesellschaft inves­tie­ren.

Anlagefonds

Im 3. Quartal 2008 hat sich das in der Schweiz plat­zier­te Fondsvermögen um 16 Milliarden auf 510 Milliarden CHF redu­ziert, dabei waren die Aktienfonds am stärks­ten davon betrof­fen. Ich gehe hier nur auf die zwei unter­schied­li­chen Anlageprodukte 130/30 und Absolute-Return-Fonds ein. Bei den Fondsgesellschaften hat­ten die­se eher jun­gen Produkte bis vor ihrem Absturz einen rei­sen­den Absatz.

130/30-Fonds

Gemäss dem Cash dai­ly vom 26.11.2008 ist die Bilanz die­ser Produkte mise­ra­bel. Der UBS Key Selection US Equities 130/30 (USD) B (LU0300928990) bei­spiels­wei­se hat im Oktober 23% an Wert ver­lo­ren, sein Vergleichsindex dage­gen “nur” 17%. Beim Select Fund Swiss Equities 130/30 der Credit Suisse (CH0017229615) belau­fen sich die Verluste seit Anfang Jahr bis Ende Oktober auf 29%. Der Vergleichsindex liegt 27% im Minus.

Absolute-Return-Fonds

Dem Versprechen unab­hän­gig vom Marktumfeld stets eine posi­ti­ve Rendite zu erzie­len wur­den die­se Anlagevehikel nicht gerecht. Die UBS und CS liqui­dier­ten teil­wei­se die­se Fonds, sie­he “Nach der CS schliesst auch die UBS Anlagefonds”. Ich dach­te immer, nur die finan­zi­ell bes­ser gestell­ten Privatanleger bekom­men die ein­träg­li­che­ren Anlageprodukte. Dies ist schein­bar nicht so, hier­zu mei­ne indi­rek­te Erfahrung zu einem Absolute-Return-Mandat der UBS.

Im Mai 2007 gab es in Thun eine UBS-Veranstaltung, die den Privatanleger ihre Absolute-Return-Mandate näher brach­te. Ich habe danach im Juli 2007 eine aus­führ­li­che Dokumentation einer sol­chen Anlage gese­hen, die­se wur­de mir von einer nahe­ste­hen­den Person zur Begutachtung unter­brei­tet. In der Sonntagszeitung vom 16.11.2008 las ich im Artikel “Absolute-Return-Mandate: Kündigungen bei UBS”, dass der Defensive bei minus 16.8% und der Aggressive gar bei minus 26% lag. Diese Vermögensverwaltungsmandate ste­hen dem Kunden ab einem Vermögen von 250‘000 CHF zur Verfügung. Was mich nebst der hohen nega­ti­ven Rendite noch mehr erstaunt, sind die ver­steck­ten hoben Gebühren die schein­bar bis zu 4% betra­gen kön­nen, bei der Durchsicht die­ser umfang­rei­chen Anlagedokumentation wäre ich nie dar­auf gekom­men, dass in die­sem Fonds sol­che Kosten ver­steckt sind. Ein sol­ches Anlageprodukt wür­de ich aus heu­ti­ger Sicht nie­mals emp­feh­len.

ETF und nochmals ETF

Immer mehr Privatanleger wird bewusst, dass sich von ihren Anlageberatern abge­zockt wer­den. Die meis­ten der teu­ren Anlagefonds, die den Markt nicht schla­gen, soll­te kein ver­nünf­ti­ger Anleger mehr kau­fen. Fast alle Aktienfonds haben einen Benchmark den sie schla­gen wol­len. Wenn bei­spiels­wei­se ein Aktienfonds den MSCI World als Benchmark hat und die­ser 50% in Minus steht, wird der Aktienfonds mit 80% Wahrscheinlichkeit auch 50% und mehr im Minus ste­hen. Nun gibt es Produkte wie Absoulte-Return-Fonds die nicht ver­su­chen einen Benchmark zu schla­gen, son­dern wie oben erwähnt, in jedem Marktumfeld eine posi­ti­ve Rendite zu erzie­len. Wegen dem star­ken Herdenverhalten der Fonds-Manager bleibt auch dies Wunschdenken, die ein­zi­ge Alternative sind für mich die Hedgefonds, wobei ich hier ande­re Vorbehalte habe. Es gibt nur noch weni­ge Gründe einen Aktienfonds oder die oben genann­ten Fonds zu kau­fen, vie­le Anlagethemen wer­den heu­te viel güns­ti­ger und trans­pa­ren­ter von ETFs abge­deckt.

Viele Anleger glau­ben noch immer, Geld zu inves­tie­ren sei kom­pli­ziert und über­las­sen so die Geschicke ihrer Geldanlagen den so genann­ten Finanzprofis, die oft­mals vor lau­ter Bäumen den Wald nicht mehr sehen bzw. vor lau­ter Retrozessionen und Provisionen die Interessen des Kunden ver­nach­läs­si­gen.

Wir haben ein Abstimmungswochenende, ich glau­be, den Inhalt die­ser Abstimmungen zu ver­ste­hen. Dabei rich­ti­ge Wahl zu tref­fen, ist weit­aus schwie­ri­ger, als einen ETF aus­zu­wäh­len und an den Aktienbörsen zu han­deln.

Prognosen der Finanzprofis

Hier eine Auflistung eini­ger Prognosen der Finanzprofis. Die Prognosen wur­den im Oktober und November gemacht:

14.10.2008: Cash daily “Das Kursfeuerwerk wird verglühen”

Philipp Bärtschi, Aktienstratege Bank Sarasin: Die Erholung ist nicht nach­hal­tig.
Dietmar Lohrmann, Chef Worldwide Equity Research: Erholungsrally dau­ert höchs­tens vier Wochen. Seine Prognose sieht den SMI gar auf 900 Punkte fal­len.

Christian Gattiker, Leiter Research Julius Bär: Er glaubt, dass die bis­he­ri­gen Tiefstände noch­mals erreicht wer­den.

29.10.2008: Handelszeitung Nr. 44 “Markt wird 30 Prozent steigen”

Oswal Grübel, sie­he “Markt wird 30 Prozent stei­gen

13.11.2008: Cash daily “Der Wendepunkt ist schon erreicht”

Nigel Bolton, Europa-Aktienchef, Blackrock: Für das vier­te Quartal 2009 pro­gnos­ti­ziert Bolton ein erneu­tes Wachstum der euro­päi­schen Wirtschaft. Die Aktienmärkte in Europa haben sich in der Vergangenheit immer sechs bis neun Monate vor der Konjunktur erholt. Europäische Titel sei­en der­zeit güns­ti­ger bewer­tet als US-Amerikanische Aktien.

24.11.2008: Cash daily “Noch sind Aktien keine Schnäppchen”

Philipp Bärtschi, Aktienstratege Bank Sarasin: Die Preise am Aktienmarkt sind fair, aber nicht güns­tig. Er geht davon aus, dass erst im zwei­ten Quartal 2009 eine Wende der vor­aus­lau­fen­den Indikatoren statt­fin­den und damit mehr Optimismus für den Gewinnausblick herrscht.

Roger Kunz, Chefstratege Clariden Leu: Im kom­men­den Jahr wer­den durch eine Verschlechterung der Fundamentaldaten noch wei­te­re Gewinnrevisionen anste­hen.

Meine Prognose

Die Wirtschaftsaussichten sind düs­ter, daher müss­ten die Aktienkurse die bis­her gese­he­nen Tiefs noch­mals unter­schrei­ten. Aber wenn Philipp Bärtschi davon spricht, dass wir den Boden noch nicht gese­hen haben, bekom­me ich bestimm­te Zweifel, ob wir die Tiefs noch­mals sehen wer­den. Mir ist es ziem­lich egal, ob es an der Börse nach unten oder nach oben geht, mei­ne Strategie ist für bei­de Richtungen aus­ge­legt. Gehen die Kurse nach unten, wer­de ich wei­ter mei­ne Aktienposition aus­bau­en und geht es weit nach oben, wer­de ich mei­ne Aktienposition abbau­en.

Natürlich wün­sche ich mir, dass sich die Wirtschaft so schnell wie mög­lich erholt und nur weni­ge Menschen der Realwirtschaft ihre Arbeit ver­lie­ren. Anderseits bin ich sehr froh, wenn die Banken Zigtausende von ihren für die Realwirtschaft unnö­ti­gen Bankangestellten abbau­en.

Es ist wie­der ein­mal an der Zeit die Prognosen der Börsenprofis in Kurzform auf­zu­lis­ten. Auf der Heimfahrt von mei­ner Arbeit lese ich oft­mals im Zug das Cash dai­ly. Seit eini­gen Monaten habe ich eini­ge Artikel mit den Prognosen auf­be­wahrt. Im Folgenden habe ich auch noch Artikel von der Sonntagszeitung, stocks und der Handelszeitung hin­zu­ge­nom­men. Ich wer­de die­se Prognosen nicht wei­ter kom­men­tie­ren, für mich haben sie das­sel­be Niveau wie Horoskope.

17.04.2008: Cash dai­ly „Prognosen: SMI-Jahr endet im Minus“
Claude Zehnder, Leiter Prokerage Research, ZKB: Die Kreditkrise sei noch nicht aus­ge­stan­den, doch das Schlimmste lie­ge hin­ter uns. Zudem sind die noch zu erwar­ten­den nega­ti­ven Nachrichten schon in den Kursen ent­hal­ten.
Prognosen für den Punktestand des SMI Ende 2008:

Bank Datum der Schätzung 16.4.08 Datum der Schätzung 13.2.08 Datum der Schätzung 20.12.07
Clariden Leu 8200 9400 10000
Credit Suisse 9400 10100 10100
Julius Bär 8500 9100 10000
Sal. Oppenheim 8200 offen 9200
Bank Sarasin 8200 9300 9300
Bank Vontobel 8600 8750 9300
Zürcher Kantonalbank 7900 8400 9200
Durchschnitt 8429 9175 9586
SMI Schlussstand 7251 7537 8402

4.05.2008: Sonntagszeitung „Die Bullen sind zurück“

  • Ralf Rybarczyk, Fondsmanager bei DWS: „Gerade im Bankensektor haben schlech­te Neuigkeiten kei­ne nega­ti­ven Kursreaktionen zur Folge. Das ist ein kla­res Zeichen, dass der Tiefpunkt hin­ter uns liegt“. 8500 Punkte für den SMI Ende Jahr sei rea­lis­tisch.
  • Credit-Suisse-Banker Philipp Vorndran: 8600 für den SMI Ende Jahr, gemäss ihm sei der Tiefpunkt durch­schrit­ten.
  • Roger Kunz, Clariden Leu: Aktien sei­en gar „sehr güns­tig“.
  • Philipp Bärtschi, Bank Sarasin: Es bestehe kein Grund zur Eile. Im Sommer wür­den sich an der Börse gute Einstiegschancen bie­ten.
  • UBS: Sieht für die nächs­ten Monate ein Umfeld mit erhöh­ten wirt­schaft­li­chen Risiken.

16.–29.5.08 stocks, Seite 34, Matthias Wirz, Basler Kantonalbank: Gemäss ihm wür­de der SMI zum Jahresende auf 7800 bis 8000 Punkte klet­tern.

9.06.2008: Cash dai­ly „Börse auf dem tiefs­ten Stand seit drei Jahren“
Der SMI schmolz am 8.06.2008 zeit­wei­se auf 6661 Punkte.
Beat Grunder, Charttechniker Credit-Suisse: „Der SMI wird bei rund 6000 Punkte Boden fin­den“

27.6–10.7.08 stocks, Seite 20, “Verhalten opti­mis­tisch”

  • Willy Hautle, Leiter Economics & Strategy Research: Der Höhepunkt der Kreditkrise sei zwar durch­schrit­ten, jedoch sei der hohe Erdölpreis ein Störfaktor.
  • Marco Durer, CEO Valiant Privatbank: Im zwei­ten Halbjahr soll­ten die vor­lau­fen­den Indikatoren wie­der auf eine Aufhellung am Konjunkturhimmel hin­deu­ten. Zudem wer­de sich in den nächs­ten Monaten die Finanzkrise abschwä­chen, dann könn­ten die Investmentbanken zu ihrer wah­ren Ertragskraft zurück­keh­ren.

stocks142008

31.7–21.8.08 stocks, Seite 30, “Pessimismus ist über­trie­ben”
Ein Interview mit Herrn James W. Paulsen, Chefstratege Wells Fargo
Es kommt also bald zum Börsenaufschwung?
Viele befürch­ten, dass wir in eine Rezession stür­zen und die Finanzkrise noch lan­ge nicht vor­über ist. Beides kann ein­tre­ten. Aber die Börse hat sol­che Albträume bereits in die Bewertung der von mir genann­ten Sektoren ein­ge­preist. Wenn Angst der­art wei­te Kreise zieht, kommt es zu einer Börsenrally, selbst wenn die Konjunktur nur ein wenig bes­ser läuft als ange­nom­men.

Wo steht der S&P-500-Index Ende Jahr?
Ich sehe ihn bei rund 1680 Punkten.

8.08.2008: Cash dai­ly „Historisch gese­hen ist der Trendwende da“
Im Schnitt ver­lor der US-Leitindex S&P 500 in einer Rezession 24 Prozent. Seit dem Oktober 2007 ver­lor er 22 Prozent, daher könn­te der Tiefpunkt erreicht sein.

  • Studienautor Bernd Hartmann: Das Ende der Krise ist nun viel näher als ihr Anfang. Wir erwar­ten des­halb eine im zwei­ten Halbjahr eine Erholung.
  • Aktienstratege VP: Die Bank glaubt, dass die US-Börse klar bes­ser abschnei­den wird als die Eurozone, denn die Abschwächung sei in den USA wei­ter fort­ge­schrit­ten.


22.08.08: Cash dai­ly „Juli Tiefs wer­den noch­mals erreicht“

Dieter Lohrmann, Chef der Firma Worldwide Equity Research: Er geht davon aus, dass die Tiefs vom Juli bei rund 6500 noch­mals erreicht oder gar unter­schrit­ten wer­den. „Wir befin­den uns nach wie vor in einem lang­fris­ti­gen Bärenmarkt“ In den nächs­ten Wochen wer­de der SMI deut­lich Abwärtsdruck erle­ben.

27.08.2008: Handelszeitung Nr. 35 „Herbst ver­spricht Potenzial“
Vom Zwischenhoch Mitte Mai bei 7785 Punkten bis zum Jahrestiefststand im Juli (6422 Punkten) hat der SMI bei­na­he 18% ver­lo­ren.

  • Christoph Riniker, Aktienmarktstratege Julius Bär: Er ist nicht opti­mis­tisch, er sagt: „Wir befin­den uns in einer Bear-Markt-Rally, es dau­ert noch min­des­tens bis ins 4. Quartal, bis es bes­ser wür­de“.
  • Philipp Bärtschi, Analyst Basler Privatbank: Das Kursziel sieht er für den SMI bei 8200 Punkten. Es gibt Anzeichen, dass sich die US-Wirtschaft sta­bi­li­siert.
Aktienmarkt Credit Suisse UBS Vontobel ZKB Sarasin Clariden Leu Julius Bär
Schweiz
USA
Europa West: →, Emerging: ↑
Schwellenländer
Sektoren Pharma, Nahrunsmittel, Chemie Pharma, nicht zykli­sche Konsumgüter, Telekommunikation Gesundheit, Versorger, Grundstoffe Derzeit noch die eher defen­si­ven Sektoren wie Gesundheit und nicht­zy­kli­scher Konsum Telekom, Gesundheit, Energie Energie, Pharma, Nahrungsmittel nicht zykli­scher Konsum, Gesundheit, Energie/Grundstoffe
Aktien Roche, Nestlé, Lonza Swatch, Zürich Financial, Nobel Biocare Schindler, Advanced Digital Broadcast, Romande Energie Geberit, Nestlé, Synthes Synthes, Sulzer, Nestlé Sulzer, Nestlé, Roche Nestlé, Lonza, Geberit

Prognosen der Anlageprofis für den US-Aktienmarkt

Ich bin ein regel­mäs­si­ger Leser des BusinessWeek, in der Spezialausgabe vom 31.12.2007/7.1.2008 gaben eini­ge Anlageprofis ihre Prognosen für das Börsenjahr im 2008 ab. Am 31.12.2007 lag der Schlusskurs beim S&P bei 1468.36 und beim Dow Jones Industrial Average (DJIA) bei 13264.82.

  DJIA Ende 2008 S&P 500 Ende 2008 Bemerkung
Ralph J. Acampora, New York Institure of Finance 13800 1530 10 — 20% Korrektion im Frühjahr mög­lich
Stuart T. Freeman, A.G. Dewards & Sons 14440 1575 Favorit: PepsiCo
Elaine Garzarelli, Garzarelli Capital 16000 1780 Aktien sind 25% unter­be­wer­tet
Ben Inker, GMO 13000 1440  
Robert Arnott, Research Affiliates 12500 1350 Portfolio soll­te maxi­mal 20% Aktien ent­hal­ten. TIPS und Rohstoffe
gegen Inflation
Laszlo Birinyi, Birinyi Associates 15000 1700 Rohstoffe wer­den bevor­zugt

Wie man sieht, gibt es in den USA auch Profis, die für das Jahr 2008 sin­ken­de Kurse pro­phe­zei­en.

Mein persönlicher Börsenausblick für die USA

Ich glau­be die Kreditkrise wird die Finanzmärkte noch lan­ge beschäf­ti­gen. Zuerst ein Rückblick auf eini­ge Ereignisse seit dem Beginn der Finanzmarktkrise im Jahr 2007.

Datum Ereignis
15. Juni Moody’s stuft 131 Ratings von Asset-Backed Securities (ABS) aus dem Subprime-Markt her­un­ter. Weitere  Überprüfungen wer­den ange­kün­digt
20. Juni Zwei Hedgefonds der Bear Stearns ste­hen vor der Insolvenz
24. Juli Countrywide Financial Corporation berich­tet über Gewinnrückgang und Probleme für die Zukunft an
1. August IKB kün­digt Verlust von EUR 3.5 Milliarden an
1. Oktober CHF 4 Milliarden US-Subprime Abschreibung bei der UBS
10. Dezember USD 10 Milliarden US-Subprime Abschreibung bei der UBS

Die Medien wie bei­spiels­wei­se die Analysten in der SF-Börse wol­len uns immer wie­der zum Kauf von Aktien ani­mie­ren. Diese Analysten-Animateure spie­len die Kreditkrise her­un­ter und en von Marktübertreibungen. Die bis­he­ri­gen Ereignisse zei­gen, dass eine Finanzkrise nicht nach ein paar Tagen bzw. Monaten aus­ge­stan­den ist. Die Subprime-Blase wur­de schliess­lich auch nicht in kur­zer Zeit erschaf­fen, son­dern sie fand ihren Anfang im Jahre 2002.

Neulich wur­de ich von pri­va­ten Anlegern ange­spro­chen, dass 2008 ein US-Präsidentschaftswahljahr sei. Der US-Präsidentschaftszyklus ist einer der erstaun­li­chen Zyklen in der Finanzwelt. Nur weni­ge drit­te und vier­te Jahre der 4-jäh­ri­gen Amtsperiode wei­sen nega­ti­ve Ergebnisse an den Aktienmärkten aus. Auch die Anlageprofis argu­men­tie­ren jetzt mit die­sem Zyklus für das Anlagejahr 2008, so dass vie­len Privatanlegern die­ser Fakt bekannt ist. Dass es auch einen Zyklus gibt, der sich auf Jahreszahlen bezieht, die mit 7 enden, ist vie­len Privatanlegern unbe­kannt. Jahre, die mit der Zahl Sieben enden (1987, 1997, 2007 etc.), sind an den Aktienmärkten gese­hen auf die zwei­te Jahreshälfte Negativ-Jahre. Diese Tatsache ist den Privatanlegern viel weni­ger bekannt.

Da die meis­ten Fonds nur bei stei­gen­den Kursen posi­ti­ve Renditen erwirt­schaf­ten, wer­den ihre bezahl­ten Analysten auch in der Zukunft zu opti­mis­ti­sche Prognosen abge­ben. Der US-Präsidentschaftszyklus fin­det die­ses Jahr viel Erwähnung in den Medien, wäh­rend letz­tes Jahr der 7er-Jahr-Zyklus ver­schwie­gen wur­de.

Die Gier und ihre Folgen

Oft wird die Softwareentwicklung noch heu­te als eine Kunst belä­chelt und nicht als Ingenieursdisziplin wahr­ge­nom­men. Sicherlich haben wir in der Softwareentwicklung nicht über­all den gewünsch­ten Reifegrad einer Ingenieursdisziplin. Trotzdem schafft es die Informatik bei sicher­heits­re­le­van­ten Anwendungen wie bei­spiels­wei­se in Autos, Bahn Flugzeugen usw. die gefor­der­te Qualität zu lie­fern. Scheinbar ist die Softwareentwicklung nicht über­all schlecht!

Bei eini­gen Grossbanken habe ich zur­zeit das Gefühl, das sie ihre Komplexität nicht mehr im Griff haben. Trotz der angeb­lich viel Talenten, wel­che das Zigfache ver­die­nen wie bei­spiels­wei­se die Ingenieure im Flugzeugbau. Die eit­len Bankmanager der obers­ten Hierarchiestufe und eini­ge Verwaltungsräte begrün­den ihre exor­bi­tan­ten Gehälter oft­mals auf Grund der hohen Gehälter die­ser Investmentbanking Talente.

Auch Eltern haben oft das Gefühl ihre Kinder sei­en Talente, nur weil sie bei­spiels­wei­se nicht mehr ver­ste­hen, wie ihre Kinder schein­bar mühe­los mit neu­zeit­li­chen Techniken umge­hen.

Nun haben es die­se Finanztalente geschafft, unser Finanzsystem nahe­zu zum Absturz zu brin­gen. Die Zecke für die­se Geldgier müs­sen die Staaten, Nationalbanken und damit die Allgemeinheit bezah­len. Die Talente kre­ieren Prozesse, wel­che nach­her die betei­lig­ten Akteure selbst nicht mehr durch­schau­en kön­nen. Jeder Akteur in die­sen Prozessen nimmt sei­ne Rolle wahr ohne die gesam­te Prozesskette zu ken­nen und als Motivation winkt der Bonus.
Ich hof­fe, dass die Staaten aus die­sem gefähr­li­chen Finanzspiel der Investment Banken ihre Lehren zie­hen und den gesetz­li­chen Rahmen enger ste­cken und durch­set­zen wer­den.

Wahrscheinlich ist es nur so mög­lich, die Geldgier und den Risikohunger gewis­ser Bänker zu stop­pen.

Links

Stabilität des inter­na­tio­na­len Finanzsystems

Aussagen in den Medien
In den letz­ten zwei Wochen des Jahres 2007 kom­men ver­mehrt die Anlageprofis mit ihren Börsenausblicken für das Jahr 2008 in den Medien. Die Wirtschaftsprognosen fal­len aus­schliess­lich posi­tiv aus und es gibt nur weni­ge pes­si­mis­ti­sche Prognosen bezüg­lich der Finanzmärkte. Hierzu ein Beispiel aus der Handelszeitung 51/52, wo vier Herren ihre Prognosen bezüg­lich Schweizer Aktien abga­ben:

Person Finanzinstitut SMI Jahresende SPI Jahresende SMI-Favoriten
Roger M. Kunz Clariden Leu 10000 8200 ABB, Nestlé, Nobel Biocare, Swatch
Christian Gattiker-Ericsson Julius Bär   8100 ABB, Lonza
Alf Roelli Pictet & Cie 9500 7500 Nestlé, Novartis, Roche, Swatch, UBS
Thomas Steinemann Vontobel-Gruppe   5–9% ABB, Adecco, Holcim, Swatch
Sven Bucher ZKB   7600 Auf SLI set­zen. Aber inter­es­sant: Adecco, Geberit, Holcim, Roche,
Zurich FS

Es ist scha­de, dass sich der Ausblick auf die Schweizer Aktien redu­ziert ist. Die Schweizer sind sowie­so viel zu stark in den Heimmarkt inves­tiert. Zudem hal­ten ein Viertel aller Haushalte nur eine Aktie in Portfolio und im Durchschnitt sind es auch nur 3 bis 5 Titel.
Im UBS investor’s gui­de, steht unter ande­rem im Kapitel „Aktienmarkt: Eurozone“. Die Optimisten ent­geg­nen, dass die Bewertungen sehr attrak­tiv sind und euro­päi­sche Aktien auf Basis der Gewinnschätzung für 2008 ein KGV von gera­de ein­mal 12 auf­wei­sen.

Mein per­sön­li­cher Börsenausblick für das 2008
Ich glau­be wir müs­sen uns im Jahre 2008 mehr an die Wörter Gewinnwarnung, Gewinneinbruch und Verlust gewöh­nen. Ich hal­te die Anlageprofis von Banken für zu opti­mis­tisch, jedoch erwar­te ich von ihnen auch kei­ne objek­ti­ve Aussage für die Börsenzukunft. Schliesslich hängt ein Teil ihres Einkommens indi­rekt von einer posi­ti­ven Börsenkursentwicklung ab. Hierzu zwei nega­ti­ve Beispiele einer Aktienempfehlung bzw. Markteinschätzung wäh­rend des Jahres 2007:

  • Ende August 2007, in der TV-Sendung Börsenstandpunkte riet der UBS-Chefökonom Klaus Wellershoff zum Kauf der UBS-Aktien. Warum ein UBS-Anlageprofi die Aktie sei­nes Arbeitgebers emp­fiehlt bleibt für mich unver­ständ­lich.
  • Noch in einer Ausgabe des UBS investor’s gui­de von Juli stand, dass die schwei­ze­ri­schen Finanzinstitute kaum in die Hypothekenkrise in den USA ver­wi­ckelt sind. In der Zwischenzeit wur­den wir eines esse­ren belehrt.

Auch ein unter­durch­schnitt­li­ches KGV für das Jahr 2008, wel­ches auf Gewinnschätzungen beruht, ist für mich kein Indiz, dass sich die Kurse nächs­tes Jahr in Europa posi­tiv ent­wi­ckeln wer­den. Beispiel der rea­len KGVs aus Stocks 1/2008:

Landesindex Kurs 20.12.2007 KGV
Schweiz/SMI 8402.8 16.3
Schweiz/SPI 6847.8 16.7
Schweiz/SMIN 1801.8 18.2
Deutschl./DAX 7869.2 13.3
UK/FTSE 6345.6 12.4
USA/S&P 500 1460.1 16.1
USA/Nasdaq 2069.7 25.6
Japan/Nikkei 225 15031.6 36.8

Die Gewinne kön­nen sehr schnell ein­bre­chen und dann schnel­len die KGV’s in die Höhe. In den letz­ten Jahren hör­ten wir vor­wie­gen das Wort Gewinnsteigerung, dies hat sich aber in den letz­ten Monaten geän­dert. Die CEOs dür­fen jetzt auch wie­der die nega­ti­ven Wörter wie Gewinneinbruch benutz­ten ohne Gefahr zu lau­fen ihren Job zu ver­lie­ren, da wur­de sicher­lich in der Vergangenheit die buch­hal­te­ri­schen Möglichkeiten voll aus­ge­schöpft, um mög­lich gute Zahlen zu prä­sen­tie­ren.

Eine ande­re Frage dich sich mir stellt, haben nur die Banken die­se Collateralized Debt Obligation (CDO) und Asset Backed Securities (ABS) in ihren Depots. Ich habe das Gefühl die Letzten beis­sen die Hunde und die Banken die­se Papiere nicht mehr los wer­den konn­ten. Diese haben ihre Verluste teil­wei­se schon bekannt gege­ben. Ich erwar­te, dass auch Hedge Fonds, Versicherungen und Pensionskassen erheb­lich Verluste mit die­sen ver­brief­ten Forderungen erlit­ten haben und die­se mit dem Jahresabschluss 2007 bekannt geben müs­sen. Ich glau­be, dass die Kreditkrise noch eini­ge Überraschungen zu Tage för­dern wird und nicht so schnell aus dem Bewusstsein der Anleger ver­schwin­den wird.

Ich den­ke nach der Bekanntgabe der Jahresabschlüsse 2007, wird man erheb­lich Bessere Prognosen für das Börsenjahr 2008 anfer­ti­gen kön­nen.