Der Wertpapierhandel wur­de in den letz­ten Jahren mit tech­no­lo­gi­schen Innovationen beschleu­nigt, eine Ausprägung sind die Hochgeschwindigkeitshändler. Ein Flash Crash der Art vom 6.05.2010 wur­de erst durch die­ses Robottrading mög­lich. Ein ande­res Thema in die­sem Beitrag ist Moral Hazard in den Finanzmärkten, davon pro­fi­tie­ren beson­ders die gros­sen und ver­netz­ten Banken wie auch teil­wei­se der Privatanleger. Hingegen wer­den wir von den Banken durch Informationsasymmetrie benach­tei­ligt, dar­über wer­de ich im drit­ten Teil berich­ten.

Befremdliches und fragwürdiges beim Wertpapierhandel

Der popu­lä­re Ausdruck “Wissen ist Macht” bzw. in den Finanzmärkten “Wissen ist Geld” hat eine hohe Bedeutung in den Finanzmärkten. Durch die Weitergabe oder Zurückhaltung von Informationen durch die Finanzdienstleister wur­den die Privatanleger schon immer zum fal­schen Aktivismus mani­pu­liert. Dank dem Internet kann sich ein Privatanleger heu­te umfas­sen­der und schnel­ler über das Geschehen an der Wirtschaftsfront und den Finanzmärkten infor­mie­ren. Damit den Finanzinstituten ihr Wettbewerbsvorteil erhal­ten bleibt, wur­de der Wertschriftenhandel in den letz­ten Jahren mit intrans­pa­ren­ten Handelsplattformen und dem Hochfrequenzhandel ange­rei­chert.

Dark Pools

Mit der Liberalisierung der Finanzmärkte in den USA und Europa ent­stan­den vie­le neue Börsenhandelsplätze. Diese rein elek­tro­ni­schen Handelsplattformen wie Chi-X, Bats und Turquoise usw., kon­kur­ren­zie­ren die tra­di­tio­nel­len Börsen. Zusätzlich gibt es noch die so genann­ten Dark Pools, dort blei­ben Käufer und Verkäufer anonym und vor dem Abschluss der Transaktion gibt es auch kei­ne Angaben über ihre Kauf- und Verkaufsordergrössen.

Was sind Dark Pools?


High-Frequency Trading (HFT)

Wie in “Im Dunkeln der Finanzmärkte – Teil 1″ geschrie­ben, wer­den die Märkte immer mehr von Quants domi­niert, in den USA soll der Hochfrequenzhandel angeb­lich für 70% des Handelsvolumen betra­gen. Diese aus­ge­klü­gel­ten Algorithmen von Physikern, Mathematiker und Informatiker, usw. erstellt, küm­mern sich nicht um Bilanzen oder öko­no­mi­sche Fundamentaldaten.

Was ist HFT?

Wie Sie an HFT partizipieren können…

Wie der Privatanleger vom Low Frequency Trader zum High Frequency Trader wird — ein nicht ganz ernst gemein­ter Beitrag:

Flash Crash 6.05.2010


Am 6.05.2010 brach der Dow Jones wäh­rend des Handels kurz­zei­tig um 9.2% ein, genannt wird dies flash crash.

Am 30.09.2010 ver­öf­fent­lich­te SEC/CFTC ihren Untersuchungsbericht “FINDINGS REGARDING THE MARKET EVENTS OF MAY 6, 2010″. Die Kettenreaktion die­ses Crashs wur­de von einem ein­zel­nen Handelsteilnehmer aus­ge­löst, die­ses ver­kauf­te 75’000 E-Mini Futures für USD 4.1 Milliarden. Damals war der Markt auf Grund der Schuldenkrise in Europa schon sehr ner­vös, das gros­se Volumen und die rasan­te Abwicklung die­ses Verkaufes durch ein Computerprogramm bewog die ande­ren Marktteilnehmer ins­be­son­de­re die HFT zu einer Handelspause, damit zer­fiel die Liquidität im Handel.

Die Lehren für den Privatanleger

Hochfrequenzhändler gewin­nen Geld mit ihren Algorithmen und Computer, andern­falls wür­den sie dar­auf ver­zich­ten. Die Verluste tra­gen natür­lich alle ande­ren Markteilnehmer, die Summe die­ser Beträge ist unbe­kannt. Für den nicht super­rei­chen Privatanleger, der weni­ge Wertschriftentransaktionen pro Jahr aus­führt, wird kaum an den Kosten für Dark Pools oder HFT betei­ligt. Letztendlich gehö­ren sicher­lich die Daytrader zu den Opfern des HFT, was ich nicht sehr bedau­re. Trotzdem sind sol­che Chancenungleichheiten der Marktteilnehmer im Wertschriftenhandel sehr stö­rend, wobei Ungleichheiten schon immer bestan­den.

Bezüglich den Dark Pools sehe ich für den Privatanleger kei­ne gros­se Benachteiligung, solan­ge an den eta­blier­ten Börsen die Liquidität hoch und die Geld-Briefe-Spanne gering bleibt.

Der Flash Crash vom 6.05.2010 beun­ru­higt mich mehr, schein­bar kann der Wertschriftenhandel mit schon mit einer “gerin­gen” Summe vom USD 4.1 Milliarden gigan­tisch mani­pu­liert wer­den. Zum HFT und Flash Crash gibt es eine inter­es­san­te Sendung von 60 Minutes:

Moral Hazard (moralisches Risiko)

Wenn bei­spiels­wei­se das Vorhandensein einer Versicherung zur mehr Risikofreudigkeit führt, wird dies als Moral Hazard bezeich­net. Mit ande­ren Worten, ori­en­tiert sich der Bonus eines Mitarbeiters an des­sen kurz­fris­ti­gen Jahresgewinn, wird die­ser gera­de­zu moti­viert, hohe Risiken ein­zu­ge­hen, zumal es kei­nen Malus gibt.

Gewisse Banken expandierten absichtlich bis zum too-big-to-fail (TBTF) Status

Gemäss dem CGFS Papers No 41 des Committee on the Global Financial System (CGFS) wird davon aus­ge­gan­gen, dass eini­ge Banken mit ihrer natio­na­len bzw. inter­na­tio­na­len Expansion den TBTF-Status errei­chen woll­ten. Damit ist klar, war­um sich die bei­den gros­sen schwei­ze­ri­schen Geschäftsbanken in der Menge der TBTF-Unternehmen so wohl füh­len.

Subvention durch erwartete Staatshilfe

Die gros­sen Finanzinstitute begrüs­sen weder den Markt noch die Demokratie. Wäre der Markt ihre Maxime, so wür­den sich nicht gegen eines der grund­le­gen­den Prinzipien des Marktes weh­ren, der Konkursfähigkeit. Anderseits wol­len sie die Demokratie auch nicht, denn sie fürch­ten die Regulierung, bei­spiels­wei­se die Auflagen für die Rettung durch Steuergelder.

In zahl­rei­chen Studien wur­de theo­re­tisch und empi­risch beschrie­ben, dass die erwar­te­te Staatshilfe eine Subvention an TBTF-Unternehmen dar­stellt. Urs Birchler, Professor am Swiss Banking Institute der Universität Zürich, bezif­fert in sei­nem für die SP Schweiz ver­fass­ten Schlussbericht “Faktische Staatsgarantie für Grossbanken” die staat­li­che Hilfe für die Grossbanken auf CHF 4–5 Milliarden pro Jahr.

Geldpolitik der Zentralbanken

Seit 1995 wur­den die Interventionen durch die Zentralbanken immer häu­fi­ger und inten­si­ver. Die Zeitdauer der Rezessionen wur­den damit wei­ter­hin kurz gehal­ten und die Aktienbesitzer tem­po­rär belohnt. Die Banken waren meis­tens die gröss­ten Profiteure die­ser immensen Eingriffe, mit bil­li­gem Geld konn­ten sie ihre Bilanzen noch mehr auf­bla­sen.

Auch Aktienbesitzer profitieren kurzzeitig vom Greenspan-Put

Ich han­del­te mei­ne ers­te Aktie im Jahr 2006, damals kann­te ich den Begriff Greenspan-Put noch nicht. Im Jahr 2009 wur­de mir die Bedeutung des Greenspan-Put sehr wohl bewusst. Natürlich hiess der Fed-Chef nun Bernanke, daher müss­te die­ser heu­te wohl Bernanke-Put heis­sen. Der Name die­ser Put-Option spielt kei­ne Rolle, letzt­end­lich erwar­ten die Wertpapierinvestoren, dass das Fed mit den Werkzeugen aus ihrer Toolbox den Kurszerfall an den Wertschriftenbörsen stoppt.

Zwar haben die Zentralbanken und die Staaten das Finanzsystem für die Masse geret­tet, ander­seits wur­den damit die Wertpapierbranche indi­rekt zu stark begüns­tigt. Dadurch kamen die pri­va­ten Investoren finan­zi­ell zu gut davon und das Vorhandensein des Greenspan-Put wur­de ein­mal mehr bestä­tigt.

Geldpolitik der Fed verzögert den wirtschaftlichen Bereinigungsprozess

Die Regierungen und Finanzmärkte haben sich über die von den Notenbanken ver­ur­sach­te Geldschwemme gefreut. Zugleich führt dies wie auch teil­wei­se die Stützungs- und Rettungspakete der Regierungen zu Marktverzerrungen. Die not­wen­di­gen Bereinigungsprozesse im Wirtschaftskreislauf wer­den in die Zukunft ver­scho­ben — wie lan­ge dies noch gut geht?

Das Individuum, die Politik oder Wirtschaft unter­lie­gen Beharrungskräfte, die­se wer­den oft­mals erst über­wun­den, wenn es nicht mehr anders geht. Zuvor unter­lie­gen wir ger­ne behelfs­mäs­si­gen Problemlösungen, damit das Gewohnte mög­lichst lan­ge fort­ge­setzt wer­den kann. Oftmals wür­de die Überwindung der Faulheit und der Mut für die radi­ka­le­re Lösung schnel­ler zu weit­aus bes­sern Resultat füh­ren.

US-Politik als Beispiel

Der US-Notenbank ist nicht mehr der “len­der of last resort”, son­dern Kreditgeber der ers­ten Instanz. Die Kreditrisiken des Hypothekenmarktes wer­den vom Staat getra­gen und das Marktrisiko von der Fed. Der pri­va­te Markt hat sich über­wie­gend aus die­sem US-Hypothekengeschäft ver­ab­schie­det, höchs­tens noch eini­ge muti­ge und gut infor­mier­te Spekulanten erfreu­en sich die­ses Marktes.

Ich bin kein Anhänger der US-Republikaner, jedoch hat der repu­bli­ka­ni­sche Kongressabgeordnete Ron Paul eini­ge für mich über­zeu­gen­de Argumente bezüg­lich Häusermarkt, Fed, …

Auch ich wäre für eine schnel­le Wertminderung der US-Hypotheken, dabei wür­den die Banken noch­mals lei­den und müss­ten sich zusätz­li­ches Kapital beschaf­fen. Indes wer­den die Wall-Street-Banker im 2010 wie­der her­vor­ra­gend ver­die­nen. Nach einer Erhebung des “Wall Street Journal” schüt­ten die wich­tigs­ten New Yorker Finanzfirmen ins­ge­samt USD 144 Milliarden in Form von Direktzahlungen, Boni, Prämien oder Aktienoptionen an ihre Mitarbeiter aus. Eine Steigerung von 4% gegen­über dem Vorjahr.

Links

HFT
Schneller als der Blitz
Das Herzkammerflimmern der Börse

Flash Crash vom 6.05.2010
Automatic Futures Trade Drove May Stock Crash, Report Says
Lone $4.1 Billion Sale Led to ‘Flash Crash’ in May
Massive com­pu­ter-dri­ven sell order trig­ge May 6 plun­ge

Moral Hazard
Banken haben die Bilanzen absicht­lich auf­ge­bläht

Geldpolitik der Zentralbanken:
Greenspan: Der Freeman der Finanzmärkte

Ein Gedanke zu „Im Dunkeln der Finanzmärkte — Teil 2

  1. Pingback: Sind Zentralbanken noch vertrauenswürdig? » Grafioschtrader Investment Blog

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