Mit zuneh­men­der Erfahrung an der Börse habe ich die Anzahl mei­ner Wertschriften-Transaktionen erheb­lich redu­zie­ren kön­nen. Ich las­se mich grund­sätz­lich nicht auf kur­ze Spekulationsgeschäfte ein, trotz­dem beob­ach­te ich den Nachrichtenfluss der USA-Wirtschaft mit dem Kurs des S&P 500.

Am Freitag dem 13. sank das US-Verbrauchervertrauen kräf­ti­ger als erwar­tet, des­sen unge­ach­tet stieg der S&P 500 um 1.5%.

Warum die­ser Anstieg?
Für mich liegt die Erklärung in der Spekulation auf die kom­men­den Quartalszahlen der Wallstreet Banken. Nächste Woche wer­den Goldman Sachs Group, Morgan Stanley usw. ihre zwei­ten Quartalszahlen ver­öf­fent­li­chen. Im ers­ten Geschäftsquartal 2008 blieb der gros­se Einbruch bei den US-Investmentbanken aus. Mit der Rettung von Bear Stearns und den bes­ser als erwar­tet Quartalszahlen der ande­ren US-Investmentbanken wur­de die Aktienrally 1.0/2008 aus­ge­löst. 3 Monate spä­ter spielt sich eine ähn­li­che Situation ab, die Investmentbank Lehman Brothers weist im 2. Quartal einen hohen Verlust auf, muss­te aber nicht das­sel­be Schicksal wie Bear Stearns erlei­den. Diese schlech­ten Ergebnisse las­sen auch die Kurse eini­ger US-Geschäftbanken wie Wachovia sin­ken, sie­he “S&P 500 Retreats for a Second Week as Fed Signals Higher Rates

Mir ist in der letz­ten Zeit auf­ge­fal­len, dass nega­ti­ve Nachrichten aus der Finanzbranche die Börsenkurse der ande­ren Branchen kaum noch in die Tiefe rei­sen. Andererseits stei­gen fast alle Kurse bei guter Nachrichtenlage aus der Krisenbranche Finanzen.

Viele Anleger spe­ku­lie­ren auf ein sol­ches ein­fa­ches Muster einer Wiederholung, damit könn­te mit dem letz­ten Freitag der kur­ze Abwärtstrend schon wie­der sein Ende gefun­den haben. Damit die­ses Muster wirk­lich funk­tio­niert, müs­sen nächs­te Wochen die US-Investmentbank mit nicht all­zu schlech­ten Resultaten bewei­sen, dass die Kreditkrise angeb­lich vor­über ist.

Übrigens las­sen der­ar­ti­ge Spekulationen mit einer tech­ni­schen Analyse offen­sicht­lich nicht erken­nen, hier hilft nur die Erkenntnis, dass des Menschen Steinzeitgehirn sich all­zu ger­ne an ver­gan­ge­ne posi­ti­ve Ereignisse erin­nert und sich eine Wiederholung die­ser wünscht.

Ob die Börsenweisheit „Kaufe das Gerücht und ver­kau­fe die Nachricht“ auch in die­sem Fall zutref­fen wird, kön­nen wir in naher Zukunft beur­tei­len. Eine sol­che Börsen-Spekulation kann auch dane­ben gehen, wahr­schein­lich haben sich eini­ge Anleger am 5.6.2008 mit der Annahme von einer gering stei­gen­den oder gar unver­än­der­ten US-Arbeitslosenzahl am 6.6.2008 auf dem fal­schen Fuss erwi­schen las­sen.

Nebenbei, ich wer­de mich von die­ser Spekulation fern­hal­ten.

Bisher wur­den in dem Zeitschriften und Magazinen nur zöger­lich über die schlech­te Fonds-Performance 2007 berich­tet. Das Jahr 2007 war kein schlech­tes Börsenjahr, wie uns die Anlageberater und teil­wei­se Medien einen wol­len. Es gab genü­gend Asset-Klassen, wo mit einem gerin­gen Risiko eine zwei­stel­li­ge Rendite ein­ge­fah­ren wer­den konn­te. Leider ist das Konzept der tra­di­tio­nel­len Fonds für den Privatanleger völ­lig falsch. Wenn sich ein Privatanleger ein Portfolio von Aktienfonds zufäl­lig zusam­men­stellt, ver­nach­läs­sigt er dabei das Wichtigste, die Gewichtung der ein­zel­nen Asset-Klassen. Die Wahl eines ein­zel­nen Wertpapiers in einem Fond spielt gegen­über der Wahl und Gewichtung der Asset-Klassen eine unter­ge­ord­ne­te Rolle. Ich bin sehr erstaunt, dass die Finanzbranche mit ihren tra­di­tio­nel­len Fonds den Klienten immer noch ein Auslaufmodell ver­kau­fen will. Der Privatanleger hat also oft nur die Wahl zwi­schen trans­pa­ren­ten aber nicht zeit­ge­mäs­sen Fonds oder den intrans­pa­ren­ten struk­tu­rie­ren Produkten. Die meis­ten Fonds kön­nen nur auf stei­gen­de Kurse set­zen, ich set­ze dies gleich mit einem Auto ohne Rückwärtsgang. Auch wenn der Privatanleger die Portfoliooptimierung selbst durch­füh­ren könn­te, wird die Anpassung im selbst ver­wal­te­ten Portfolio auf Grund der Ausgabekommissionen der Fonds sehr teu­er. Als mög­li­cher Ausweg bie­tet sich ein ETF-Portfolio oder der fol­gen­de Wunschanlagefonds an:

Meine Anforderungen an einen Anlagefonds

Mein Wunschfonds kann in alle mög­li­chen Geld-, Immobilien-, Aktien-, Obligationen-, Rohstoffmärkte usw. der Welt inves­tie­ren. Ich über­las­se die Gewichtung der Asset-Klassen der Fähigkeit des Fondsmanagements. Natürlich kann der Fonds auch auf sin­ken­de Kurse set­zen. Eine sol­che Qualität wird wahr­schein­lich nur von gewis­sen Hede-Fonds ange­bo­ten. Die Absolute-Return-Fonds wer­den mei­nen Anforderungen auch nicht gerecht. Gemäss der Sonderbeilage der Bilanz vom Januar 2008 ver­moch­ten nur 15 der 53 in der Schweiz zuge­las­se­nen Absolute-Return-Fonds in den letz­ten sechs Monaten eine posi­ti­ve Performance zu erwirt­schaf­ten. Mit einer eini­ger­mas­sen kor­rek­ten Einschätzung der Märkte wäre eine posi­ti­ve Performance durch­aus mach­bar gewe­sen, lei­der sind die meis­ten Fondsmanager unfä­hig bzw. nur durch­schnitt­lich.

Die systematische Irreführung durch die Fondsbranche und Vermögensverwalter

Der Abonnenten des Stocks 3/2008 kam in den Genuss des Swiss Fund Guide 2008. Es ist erstaun­lich, dass die Performance-Daten ab der Seite 98 nur bis zum 30.11.2007 auf­ge­führt wur­den. Es wäre sehr hilf­reich, wenn die Daten für das gesam­te Jahr 2007 vor­han­den wären, dies wür­de den Vergleich mit den Indizes wie SMI, MCSI World usw. erleich­tern. Nun im Dezember 2007 gaben die Kurse noch­mals leicht ab, viel­leicht woll­te man damit die Realität der schlech­ten Fonds Performance beschö­ni­gen. Hierzu zwei Beispiele:

Fondsname ISIN lfd. J. 30.11.07 lfd. J. 31.12.07
UBS 100 Index-Fund Switzerland CH0002788807 1.27% -0.97%
CS EF (Lux) Global Security R CHF LU0269899737 15.98% 11.94%

Die Angabe des Risikos der ein­zel­nen Fonds wird auch nicht auf­ge­führt, für ein Heft das im Handel Fr. 39.— kos­tet, erwar­te ich voll­stän­di­ge­re Angaben. Erstaunlicherweise ist die Bilanz sehr oft viel kri­ti­scher gegen­über den Finanzprodukten und Börse ein­ge­stellt als das Stocks Magazin. Vielleicht soll­ten sie bei der Stocks-Redaktion einen Blick auf die Zeitschrift Bilanz wer­fen.

Im Cashdaily vom 24.1.2008 wur­de Folgendes geschrie­ben: Viele Vermögensverwalter vor­ent­hal­ten ihrer Privatklientel oft­mals wich­ti­ge Daten wie Aktienrenditen. Noch grös­se­res Schweigen herrscht bei den Angaben über die ein­ge­gan­ge­nen Risiken. Einige Banken wie die Credit Suisse lie­fern hier­zu nur die von Gesetz vor­ge­schrie­be­nen Angaben, für wei­te­re Informationen muss zusätz­lich bezahlt wer­den. Solche Banken soll­te der Privatanleger mei­den!

Bei mei­nem ers­ten Anlagegespräch bei einer der bei­den Schweizer Grossbanken im Oktober 2006 woll­te mir die Anlageberaterin einen, dass die Kurse in der Zukunft nie mehr stark fal­len wer­den. Meinen Einspruch gegen die­se Hypothese lehn­te sie kate­go­risch ab, ihre Quellen sei­nen schliess­lich die Profis ihrers Arbeitgebers. Für die­sen Markt hat­te sie auch das ent­spre­chen­de Produkt in einem Multi Reverse Convertible zur Hand. Mir waren damals die struk­tu­rier­ten Produkte nur wenig bekannt, habe die­se aber nach ein­ge­hen­der Recherche im Internet abge­lehnt. Seien Sie nicht über­rascht, wenn Ihr Kundenberater Ihnen am liebs­ten etwas ver­kau­fen will, was Sie nicht oder noch nicht ver­ste­hen. Bei Gelegenheit wer­de ich die­se Frau an ihre damals gemach­ten Äusserungen erin­nern.

Ich fin­de lauf­zeit­be­grenz­te Börsenspiele nicht sehr hilf­reich, sie wer­den oft für die Akquisition miss­braucht. Kurzzeitig lau­fen­de Spiele ver­füh­ren die mög­li­chen Börsenneulinge zu vie­len ris­kan­ten Transaktionen. Der Spruch: Hin und her macht die Taschen leer, hat schon sei­ne Berechtigung. Wer seri­ös an der Börse inves­tiert, hat hof­fent­lich einen län­ge­ren Zeithorizont als nur einen Monat oder ein Jahr.

Zudem sind vir­tu­el­le Verluste nie­mals mit rea­len Verlusten ver­gleich­bar. Gemäss Untersuchungen schmerzt ein Verlust von 1000 Franken unge­fähr zwei­ein­halb Mal so sehr, wie ein Gewinn von 1000 Franken glück­lich stimmt. Ich bin der Meinung, wer nur Aktien oder Anleihen han­delt und das nöti­ge Geld zur frei­en Verfügung hat, braucht kei­nen Übungsraum. Er kann sofort mit klei­nen Transaktionen an der rea­len Börse inves­tie­ren.

Was mir am fol­gen­den Spiel miss­fällt, sind die kur­ze Laufzeit und die Verwendung der Eigenschaft „per­sön­li­ches Talent“. Ab dem 1.10.2007 star­tet die NEUE AARGAUER BANK ein auf einen Monat begrenz­tes Börsenspiel. In der Ankündigung die­ses Spieles steht:

Mit dem Börsenspiel Top Trader der NEUEN AARGAUER BANK kön­nen Sie Ihr per­sön­li­ches Talent für Gewinn brin­gen­de Anlagen spie­lend unter Beweis stel­len.

Laufzeit

Die Laufzeit von nur einem Monat, gebun­den an einen Wettbewerb macht die Angelegenheit noch viel unheil­vol­ler. Jeder seriö­se Anlagerberater emp­fiehlt die Investitionen in Wertpapieren nur bei einem län­ge­ren Zeithorizont. Ich fra­ge mich ob die Initiatoren die Bedeutung von Mean Reversion Effekt ken­nen, d.h. das lang­fris­tig die Kurse dem arith­me­ti­schen Mittel zustre­ben. Dieser Effekt ver­stärkt sich mit zuneh­men­der Laufzeit und ver­min­dert somit die Zufälligkeit.

Persönliches Talent

In einer sol­chen kur­zen Laufzeit ist sicher nicht das Talent des Spielers ent­schei­dend für eine mög­li­che über­durch­schnitt­li­che Rendite, son­dern viel­mehr ob der Spieler den Zufall zu sei­nem Freund oder Feind hat. Zudem wird der Teilnehmer wahr­schein­lich das Risiko und die Diversifikation unter­ge­ord­net behan­deln, schluss­end­lich zählt nur die erziel­te Rendite. In der rea­len Welt gehört das Erstellen eines per­sön­li­chen Risikoprofils zu den wich­tigs­ten Parts eines Anlageprozesses.

Angenommen ein Spieler wird zum Outperformer wäh­rend die­ses Monates, er wird wahr­schein­lich dies sei­nen beson­de­ren Fähigkeiten (die ver­mut­lich nicht hat) zuschrei­ben und nicht sei­nem Freund, dem glück­li­chen Zufall. Bestärkt durch ein gros­ses Selbstbewusstsein, wird er nun die glei­che Strategie mit einem rea­len Depot umset­zen. Vielleicht steht ihm der glück­li­che Zufall jetzt nicht mehr bei und das Talent mutiert sehr schnell zum Underperformer mit erheb­li­chen Verlusten und den ent­spre­chen­den Schmerzen. Der Mensch rech­net sei­ne Erfolge eher sei­nen eige­nen Fähigkeiten zu, als den äus­se­ren Einflüssen, wäh­rend die Misserfolge ande­rer Faktoren zuge­schrie­ben wer­den. Dadurch wird der genann­te Fall der Kontrollillusion des Öfteren mit allen sei­nen Konsequenzen ein­tre­ten.

Eine seriö­se Bank soll­te sei­ne zukünf­ti­gen Börsenneulinge nicht mit sol­chen Spielen ver­füh­ren. Es gibt aber auch Börsenspiele ohne Zeitbegrenzung und Gewinnwettbewerbe, gegen die­se habe ich grund­sätz­lich nur einen gerin­gen Einwand. Voraussetzt, der Spieler erkennt den Unterschied zwi­schen einer Börsensimulation und der Realität.

Es gibt aber noch einen zusätz­li­chen Einwand: Der bes­te Einstiegszeitpunkt in den Markt ist auf Grund des Zinseszinseffektes immer „jetzt“. Je frü­her jemand in ein Wertpapierdepot inves­tiert, des­to mehr wird es von die­sem Effekt pro­fi­tie­ren. Darum kann eine län­ge­re Abwesenheit vom Markt und dem Herumspielen mit Börsensimulatoren der lang­fris­ti­gen Gesamtperformance abträg­lich sein. Langfristig wei­sen die Aktienmärkte eine posi­ti­ve rea­le Rendite auf und stei­gen durch­schnitt­lich, bei­spiels­wei­se beim DAX rund 0.052%.

Wahrscheinlich nicht; aber die defi­ni­ti­ve Antwort auf die Frage weiss nur die Zukunft. Aber viel­leicht müs­sen wir zuerst defi­nie­ren, was ein Baisse, Börsencrash, und eine Kurskorrektur ist:

  • Baisse: Massiver Rückgang der Börsenkurse über einen län­ge­ren Zeitraum.
  • Börsencrash: Ein mas­si­ver Rückgang der Börsenkurse inner­halb einer kur­zen Zeitspanne.
  • Kurskorrektur: Leichter Rückgang der Börsenkurse über eine kur­ze Zeitspanne.

Ich glau­be heu­te herrscht viel Unsicherheit in den Finanzmärkten, weil die Finanzinstitute es nicht schaf­fen glaub­wür­dig zu kom­mu­ni­zie­ren. Die meis­ten Banken sehen im Geschehn eine vor­über­ge­hen­de Übertreibung, was auch so kom­mu­ni­ziert wird, ander­seits trau­en sie sich gegen­sei­tig nicht mehr und las­sen die Sätze am Geldmarkt in die Höhe schies­sen. Dem System dro­hen schon eini­ge Gefahren, wenn mit Hunderten von Milliarden US-Dollar Fremdkapital spe­ku­liert wird, die sei­ner­seits den Kapitalgeber in Probleme brin­gen, was bei einem Netz von Verbindlichkeiten zu einer Kettenreaktion füh­ren kann. Wären die Kreditrisiken nicht so breit gestreut, so wür­den die Kreditgeber/Banken sofort im Hypothekengeschäft gefun­den und die Situation könn­te berei­nigt wer­den. Für den Privatanleger besteht die Schwierigkeit im Verstehen der Finanzprodukte-Vielfalt, durch die Beimischung von Finanzderivaten zu Aktien oder Anleihen ent­stan­den neue nicht immer leicht durch­schau­ba­re Produkte. Die in die Schlagzeile gera­te­nen asset-backed secu­ri­ty (ABS) sind auch Konstruktionen, die nicht ein­fach zu ver­ste­hen ist, sie­he Wikipedia.

Ich hal­te nicht viel von denn angeb­li­chen Börsenkennern, die sich dau­ernd von einem Bärenmarkt ver­folgt füh­len. Ich wür­de mein Vermögen lie­ber einem Optimisten wie Ken Fisher als den Pessimisten wie Uwe Lang oder Marc Farber anver­trau­en. Mein Börsenhandel beschränkt sich auf die Produkte, die ich ver­ste­he. Wer das Gefühl hat, der Crash ste­he vor der Tür emp­feh­le ich fol­gen­des Buch:

Der Crash kommt, Max Otte


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Das Buch ver­sucht im Teil I zu begrün­den, war­um die Krise kommt und im Teil II wie man sich auf sie vor­be­rei­tet. In die­sem Buch geht es nicht um einen Börsencrash oder geo­gra­fisch loka­le Wirtschaftskrise, son­dern um eine Weltwirtschaftskrise die im Zeitraum 2007 – 2010 ihren Anfang neh­men soll. Gemäss dem Autor sind wir schon fast ein Vierteljahrhundert in einem halb­wegs sta­bi­len Aufschwung, und die zukünf­ti­ge Krise wird sich in ihrem Ausmass mit der Weltwirtschaftskrise von 1929 mes­sen kön­nen.

Im „Das wan­dern­de Zentrum“ sieht Herr Otte die öko­no­mi­sche Vorherrschaft der USA nach Asien abwan­dern und damit auch den Abstieg Europas. Eine wei­te­re Gefahr droht der Leitwährung Dollar, wel­che von vie­len Notenbanken bis­her gestützt wur­de. Noch wird der Dollar von Europa und Asien als Fiktion der Weltreservewährung auf­recht erhal­ten, aber wenn schon nur ein Teil die­ses Dollars auf den Markt gewor­fen wür­de, wären die nega­ti­ven Folgen auf den Handel und die Weltproduktion immens.

Im „Das Imperium der Schulden“ geht es um die zuneh­men­de Verschuldung der USA, in den Bereichen Staat, im Ausland und bei den pri­va­ten Haushalten. Ein gros­ser Teil des Inhaltes wid­met sich dem explo­die­ren der Hypothekenschulden der US-Haushalte. Der Median der Häuserpreise in den USA stieg von 2002 bis 2005 von 158′300 auf 208′500 Dollar, wobei der American Dream, dem Besitz eines Hauses, sich immer mehr Privathaushalte durch Verschuldung erfül­len woll­ten. Mit der Auslandsverschuldung steht es nicht bes­ser, das Defizit der US-Leistungsbilanz lag bei 7% des Inlandsproduktes.

In „Finanzderivate und der Verfall der Wirtschaftssitten“ erfährt der Leser, dass seit den acht­zi­ger Jahren immer mehr Hypotheken- und Konsumkredite als Anleihe gebün­delt und an die poten­zi­el­len Investoren gebracht wur­den. Dadurch wur­den die Banken ent­las­tet, einen bestimm­ten Prozentsatz als Kapitalreserve zu hal­ten. Durch einen geschick­ten Prozess der Verbriefung erhal­ten mit­tel­mäs­si­ge Kredite sogar AAA-Ratings. Ein ande­res Thema sind die Optionen- und Terminkontrakte mit denen Banken, Hedge Fonds und ande­re, ris­si­ge Spekulationsrisiken ein­ge­hen.

Beim „Verfall der Wirtschaftssitten“ geht es um die Gier der Manager bezüg­lich ihres Jahresgehaltes und den Betrug durch Konzerne.

In „Dollarschwemme und das Versagen der Notenbank“ geht es um die Manipulation mit der Papierwährung.

In „Japan und das Gespenst der Deflation“ erfährt der Leser das Japan seit 1993 mit eini­gen Unterbrüchen in eine Depression befin­det. Trotz der Eingriffe der japa­ni­schen Notenbank mit Zinssenkungen und den Investitionen des Staates in Infrastrukturprogramme, ver­harr­te das Land in einer Wachstumsrezession.

In „Europa in der Wirtschaftskrise“ pro­gnos­ti­ziert der Autor das Ende des Stabilitätspaktes und damit des Euros. Gemäss dem Autor sind vie­le euro­päi­sche Staaten auf dem Weg in den Steuer- und Schuldenstaat. Teil I wird mit einer Tabelle der Krisenszenarien und ihren Folgen abge­schlos­sen.

Teil II prä­sen­tiert ein 7-Punkte-Programm zur Vorbereitung der Krise. Die kom­men­de Krise wird haupt­säch­lich defla­tio­nä­rer mit Wechselweisen infla­tio­nä­ren Schüben kom­men.

Bemerkenswert, bei Punkt 3 „Suchen Sie siche­re Banken und Länder“ wird die Schweiz als Zufluchtsort geprie­sen.

In „Kapitalanlagen für die Krisen“ wer­den Portfolios mit den Asset-Klassen für eine „nor­ma­le“ und „gros­se“ Krise defi­niert. Mit einem Goldanteil von 25% bzw. 35% des Portfolioanteils, wird die­ser Rohstoff als beson­ders kri­sen­si­cher emp­foh­len. Mit der Warren Buffett Strategie wer­den die Aktien aus­ge­wählt die 30% bzw. 20% des Portfolios aus­ma­chen.

Fazit

Bei dem über­trie­be­nen Optimismus der Finanzindustrie ist es sicher­lich eine gute Idee, auch ein­mal eine sol­che Lektüre zu lesen. Die im Buch benann­te US-Hypothekenkrise ist zur­zeit aktu­ell und in der Zwischenzeit haben vie­le Anleger bemerkt, dass die Hypothekenkredite als Anleihen ver­brieft wur­den. Dieses Buch ist eine Ansammlung von nega­ti­ven Punkten am welt­wei­ten Wirtschaftssystem, wobei der Fokus stark auf der Finanzindustrie liegt. Beim Lesen des Teils I ent­steht beim Leser mög­li­cher­wei­se durch das addie­ren des nega­ti­ven eine zu düs­te­re Sicht, wobei die­se in der Tabelle Krisenszenarien und dem Teil II durch die Anlagestrategie wie­der rela­ti­viert wird. Der Teil II ent­hält noch ein biss­chen Eigenwerbung, was dem sonst seriö­sen Buch nicht sehr gut bekommt. Dieses Buch ent­hält sehr vie­le Fakten, die mit einer bestimm­ten Perspektive ser­viert wer­den. Das Buch liest sich gut und die Auseinandersetzung mit einer ande­ren Perspektive auf die Finanzmärkte und Volkswirtschaft ist jedem Anleger zu emp­feh­len.

Ich per­sön­lich glau­be, dass durch die vie­len Schuldenkrisen, Aktiencrashs, Kollaps von Hedge-Fonds usw. das System fähig wur­de, schnell und meis­tens rich­tig auf eine von der die Finanzindustrie aus­ge­lös­te Krise zu reagie­ren. Zudem steht die Wirtschaft immer im Zentrum, fast alles wird ihr unter­ge­ord­net auch das poli­ti­sche Handeln, daher sehe ich Krieg, Umweltprobleme, Ressourcenknappheit oder einer welt­wei­te Pandemie eher als Auslöser einer Weltwirtschaftskrise.

Seit Mitte 2006 bin ich regel­mäs­si­ger Leser des Schweizer Anlegermagazin Stocks, eines was mir an die­sem Magazin miss­fällt ist der Börsenkompass. Im November 2005 (23/2005) wur­de die­ser ein­ge­führt, er lie­fert Kauf- und Verkaufsempfehlungen basie­rend auf den fol­gen­den 5 Indikatoren:

Börsenkompass Indikatoren
Dollar: Ein 7-Wochen-Hoch beim Dollar gegen­über dem Franken bedeu­tet ein Kauf- ein 7-Wochen-Tief ein Verkaufssignal.

Zinsen: Ein 38-Wochen-Hoch respek­ti­ve –Tief (10-jäh­ri­ge Bundesanleihe und/oder US-T-Bond) gilt als Verkaufs bzw. resp. Kaufsignal. Das Zinssignal dreht, wenn ent­we­der die Staatsanleihen Zinsen (SA-Z) und/oder die Geldmarktzinsen (GM-Z) dre­hen. Somit müs­sen jeweils 3 der 5 Märkte (USA, D, GB, CH, JP) ein Kaufsignal lie­fern.

Erdöl: Ein 8-Wochen-Hoch beim Ölpreis bedeu­tet ein Verkaufs-, ein 8-Wochen-Tief ein Kaufsignal für die Börsen.

Märkte: Bei der 12-Wochen-Indizies-Methode der 77 wich­tigs­ten Börsen muss das Verhältnis der Märkte drei­mal posi­tiv sein.

Saison: (bis Heft 11/2007) Mitte Okt. bis Mitte April sind die sta­tis­tisch die bes­ten Börsenmonate. Diese Zeit lie­fert ein Kauf-, die ande­ren ein Verkaufssignal.
Saison: (ab Heft 12/2007) Mitte Okt. bis Mitte Juli sind sta­tis­tisch die bes­ten Börsenmonate. Diese Zeit lie­fert ein Kauf-, die ande­ren ein Verkaufssignal.

Historie
Im Heft vom 18/2006 behaup­tet Stocks, dass die Methoden von Statistikspezialist Uwe Lang nach­ge­wie­sen wur­den. Diese sta­tis­ti­schen Nachweise wür­de ich ger­ne sehen und über­prü­fen. Dass er im Herbst 1999 vor dem Aktiencrash im Jahre 2000 warn­te, macht ihn mit sei­nen Methoden noch lan­ge nicht zum unfehl­ba­ren Propheten.

Gemäss der Definition von Stocks soll der Börsenkompass ein makro­öko­no­mi­sches Bild über die kurz­fris­ti­gen Chancen und Gefahren für die Aktienmärkte wie­der­ge­ben. Im Heft 18/2006 bemerkt Stocks: „Der Börsenkompass ist nicht dazu in der Lage, zu sagen, WANN eine Korrektur kommt. Der Börsenkompass sagt nur, OB eine Korrektur fäl­lig ist oder nicht“. Die bei­den wider­sprüch­li­chen Aussagen allei­ne unter­streicht die Unbrauchbarkeit des Börsenkompasses.

Im Heft 19/2006 das ers­te Eingeständnis, das der Kompass dies­mal in der Tat falsch lag.

Heft 12/2007 das zwei­te Eingeständnis, dass der Kompass die letz­ten vier Wochen mit 1:4, also „uzie­ren“, falsch lag. Nun sol­len es die ers­ten Flicken am Saisonsignal und viel­leicht spä­ter am Zinssignal ange­bracht wer­den.

Warum wird der Kompass nie funk­tio­nie­ren?
Ich und wahr­schein­lich die meis­ten Stocksleser igno­rie­ren den Börsenkompass. Ich emp­feh­le den Stocks-Redakteuren, sich in das Buch „Das zählt an der Börse“ von Ken Fisher hin­ein zu lesen. Dieses Buch wider­legt 4 von 5 Indikatoren, die Stocks für den Börsenkompass ver­wen­det.

Zu Thema schwa­chen Dollar gibt es eini­ges in die­sem Buch zu erfah­ren. Das Wichtigste: Eine schwa­che Währung weist nicht auf einen schwa­chen Börsenertrag hin, nicht in den USA und auch nicht in der Schweiz.

Ab Seite 72 wird auf den Zinssatz-Hokupokus ein­ge­gan­gen. Es ist zu lesen, dass die Erhöhung der Leitzinsen um ein Viertel oder hal­ben Prozentpunkt kaum ein Ereignis ist, wel­ches die Märkte bewegt.

Bezüglich Öl ist zu erfah­ren, dass es einen Korrelationskoeffizienten von -0.11 zu Aktien auf­weist. Ein R-Quadrat von 0.01 ist dahin­ge­hend zu inter­pre­tie­ren, dass nur ein Prozent der Aktienbewegungen, auf die Veränderungen des Ölpreises zurück­zu­füh­ren sind.

Beim Saisoneffekt gibt es eini­ges ab der Seite 209 zu lesen. Stocks hat aber schon selbst erkannt, dass die­ses Signal bis­her nicht funk­tio­nier­te. Wobei inner­halb von zwei Wochen die Statistik auf ein­mal von Mitte Okt. bis Mitte April auf Mitte Okt. auf Mitte Juli geän­dert wur­de. Es erstaunt mich, wie doch sta­tis­ti­sche nach­ge­wie­se­ne Daten plötz­lich so schnell ändern. Im Buch von Ken Fisher sind die monat­li­chen Renditen des S&P 500 von 1926 – 2005 auf­ge­führt, wel­chen sta­tis­ti­schen Daten unter­liegt der Saisoneffekt des Stocks-Magazins?

Wäre der Magnetkompass zur Bestimmung der Nordrichtung auf dem­sel­ben tie­fen Funktionsniveau wie der Stocks-Börsenkompass, so wäre Italien manch­mal in der nörd­li­chen Richtung von Bern. Es wäre schön, wenn Stocks in der Zukunft auf die­sen Hokuspokus ver­zich­tet oder den Nachweis erbringt, dass die Signale in der Vergangenheit jemals funk­tio­niert haben.

Bei vie­len Firmen ist seit zir­ka 1998 das Internet am Arbeitsplatz ver­füg­bar, ins­be­son­de­re für Informatikmitarbeiter. Ich habe wäh­rend der letz­ten 7 Jahre ver­ein­zelt beob­ach­tet, dass die Mitarbeiter auf ihrem Desktop Börsenticker haben. Die Ausdrucke von Börsencharts konn­te ich eben­so beim Aussortieren mei­ner Ausdrucke auf einem Arbeitsgruppendrucker fest­stel­len. Ende 2000 konn­te ich die­se Beobachtung gehäuft machen. Zu die­sem Zeitpunkt hat­te ich kein Interesse am Börsenhandel und war auch nicht aktiv, mir stell­te sich damals die Frage, in wie­fern sol­che Börsenbeobachtungsaktivitäten am Arbeitsplatz über­haupt nötig sind. Heute, nach mehr als einem Jahr Börsenhandel Erfahrung und nach dem Lesen ein­schlä­gi­ger Börsenliteratur, kann ich hier­zu eine Antwort geben.

Die stän­di­ge Beobachtung der Börsenkurse ist über­haupt nicht not­wen­dig und ist oft­mals ein Indiz für eine fal­sche Handelsstrategie. Wahrscheinlich muss ein Daytrader den Börsenhandel dau­ernd belau­schen, ich spre­che hier aber von Mitarbeitern, die als Informatiker oder sons­ti­ge Sachbearbeiter ange­stellt sind. Ich hat­te ein­mal eine Arbeitgeberin, wel­che einen Angestellten wegen her­un­ter­la­den von Sexbildern frei­stell­te, ich stell­te mir jetzt die Frage, ob jene Mitarbeiter die wäh­rend ihrer Arbeitszeit den Börsenticker obser­vie­ren eine ähn­li­che „ver­werf­li­che“ Einstellung haben? Das Leben ist nun mal von Sex, Geld und Macht geprägt und damit stel­le ich bei­de Aktivitäten auf die­sel­be Ebene, die ein Arbeitgeber ver­bie­ten oder gewäh­ren kann. Zurück zum Thema — war­um ist die stän­di­ge Beobachtung der Börsenticker unnö­tig:

  • Jemand der dau­ernd die Kurse beob­ach­tet, kennt wahr­schein­lich sei­ne eige­ne Risikobereitschaft nicht und lebt dau­ernd in der Angst Geld zu ver­lie­ren. Vielleicht hat er oder will er zu viel Geld in einen all­zu vola­ti­len Einzeltitel ste­cken. Ob ein Mitarbeiter, wel­cher geis­tig von der Börsenaktivität absor­biert ist, sei­ne Leistung am Arbeitsplatz noch erbringt?
  • Studien haben bewie­sen, dass ein Privatanleger mit zu vie­len Börsentransaktionen nur Geld ver­liert. Der Spruch „hin und her macht die Taschen leer“ kommt nicht von unge­fähr.
  • Ein Privatanleger mit einer Strategie muss die Kurse nicht dau­ernd über­wa­chen, nur jene die kon­zept­los am Handel teil­neh­men ent­wi­ckeln sol­che Bedürfnisse. Hierzu kann ich nur sagen: „will­kom­men im Verliererspiel“!
  • Jede seriö­se Untersuchung hat her­vor­ge­bracht, dass ein „nor­ma­ler“ Privatanleger in der Vergangenheit mit der Buy-and-Hold Strategie gegen­über dem inten­si­ven Handeln am bes­ten fährt.
  • Ungeduld könn­te ein wei­te­rer Grund für die­ses Verhalten sein, eben aus die­ser Voreiligkeit ent­ste­hen vie­le fal­sche Anlageentscheidungen.
  • Stock-Picking und Market-Timing-Strategie ist in einem mehr oder wenig effi­zi­en­ten Aktienmarkt ein glück­spiel­ar­ti­ges Unterfangen.

Ich habe hier eini­ge Gründe auf­ge­führt, war­um Börsenticker auf dem Desktop eines Arbeitsplatzes für den Arbeitgeber beun­ru­hi­gend sein soll­ten. Als Unternehmer wäre ich sehr besorgt, wenn einer mei­ner Mitarbeiter wäh­rend der Arbeitszeit einer glück­spiel­ar­ti­gen Tätigkeit nach­ge­hen wür­de. Ich wür­de dem Mitarbeiter sei­ner Pflichten erin­nern und eines der bei­den Bücher emp­feh­len oder sogar schen­ken:
Souverän Investieren, Gerd Kommer
Genial ein­fach inves­tie­ren, Martin Weber