Die Beiträge die­ses Blog beinhal­ten ein dau­ern­des Ringen mit der Desinformation der Analysten, Konjunkturforschern und ande­ren direk­ten bzw. indi­rek­ten Profiteuren der Umsätze sowie Margen der Finanzindustrie. Wobei die Medien jede kri­ti­sche Distanz zu den Experten und Marktkommentatoren längst ver­lo­ren haben, da sie selbst um die Gunst des Publikums kämp­fen. Die Symbiose zwi­schen Analysten und Medien mün­det in einer Berichterstattung des emo­tio­na­len Auf und Ab, dabei spie­len sie gekonnt die Klaviatur der Gier und Angst.

Natürlich wer­den hier auch Informationen für das ein­fa­che Investieren ver­mit­telt. Glücklicherweise fin­den sich im Internet auch nütz­li­che Informationsquellen jen­seits der ober­fläch­li­chen Dramatisierung des Marktgeschehens. Daher star­ten wir zuerst mit den nütz­li­chen Informationen.

Nützliche Information

Neulich bin ich auf die fol­gen­de Webseite gestos­sen:

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Fintool hat sehr auf­schluss­rei­che Videos — sehr sehens­wert!

Börsenstimmung und Prognosen gleich Desinformation

Kaum kommt es zu Kursverlusten an der Aktienbörse, fin­det infla­tio­när das Schlagwort Eurokrise wie­der in die Headlines der Medien. Die Medien sind zum dümm­li­chen Sprachrohr der Analysten und Konjunkturforscher ver­kom­men.

SPI TR vom 03.01.2014 bis 29.01.2014
Quelle: SPI bei der SWX

Wenn die Volatilität und Dramatik an den Finanzmärkten zwi­schen­durch abklingt, so fül­len die Finanzblätter ihre Lücken mit frag­wür­di­gen Aussagen über Anlagestrategien. Dabei bil­den die Medien, Analysten und Konjunkturforscher eine Zweckgesellschaft die eine nicht pro­gnos­ti­zier­ba­re Zukunft schein­bar zu jedem Preis insze­nie­ren muss.

Panagiotis Spiliopoulos leidet weiterhin an Selbstüberschätzung

Wen die Banken mit ihren Analysten die Kundschaft zu mehr Aktivismus bewegt, schlägt sich dies posi­tiv auf ihrem Profit nie­der. Mit ihren Prognosen hin­ter­las­sen sie zudem den trü­ge­ri­schen Eindruck, sie könn­ten die Zukunft vor­aus­se­hen und hät­ten dadurch einen Informationsvorsprung. Seit ein paar Jahren wis­sen wir es defi­ni­tiv, dass das teil­wei­se unter Druck ste­hen­de Bankenpersonal um des Profitstrebens nicht vor Lügen und Betrug zurück­schreckt. Einer die­ser Personen ist der unbe­lehr­ba­re Herr Panagiotis Spiliopoulos. In mei­nem Blog fin­den sich genü­gend Fehlprognosen die­ses Herrn. Es hin­dert in nicht dar­an, wei­ter frag­wür­di­ge Aussagen zu täti­gen:


Quelle: FUW vom 4.09.2014 — Buy-and-Hold-Strategie hat aus­ge­dient, Panagiotis Spiliopoulos
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Kaufen und halten”, Anlagehorizont, Rendite und Krisen

Im Folgenden sehen Sie zwei unter­schied­li­che Ansichten über kau­fen und hal­ten. Erwin Heri sieht kei­ne Alternative zu der Kaufen-und-Halten-Strategie (KUHS):


Quelle: NZZ-Impulse vom 22.11.2010 — Erwin Heri: Ist die Regel «Buy and hold» noch zeit­ge­mäss? Letzte Jahrzehnt

Langfristig pro­gnos­ti­ziert Herr Heri eine durch­schnitt­li­che Jahresrendite von 5–8%, wobei er dabei einen Anlagehorizont von 10 und mehr Jahren vor­aus­setzt. Anderseits bestä­tigt er die all­ge­mei­ne Nullrendite im Zeitraum 2000 bis 2010 die mit Aktien und der KUHS erzielt wur­de.

Unter “Historische Asset-Klassen-Renditen” ist erwähnt, dass die zu erwar­ten­de rea­le bzw. infla­ti­ons­be­rei­nig­te Rendite eines MSCI World eher bei 5% p.a. lag. Es ist zudem frag­lich, ob bei abneh­men­dem Wirtschaftswachstum in den früh­in­dus­tria­li­sier­ten Ländern wei­ter­hin die­se Rendite erwar­tet wer­den kann.

Zu viele Krisen in kurzen Zeiträumen sprechen gegen KUHS

Gemäss Markus Sievers funk­tio­niert die KUHS in der heu­ti­gen Zeit nicht mehr:


Quelle: Cash vom 2.05.2011 — Markus Sievers über das lang­fris­ti­ge Halten von Aktien. Kaufen und Halten
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Kritik an “kaufen und halten”

Wie oft wur­de in die­sem Jahr schon die Anlagestrategie “kau­fen und hal­ten” infra­ge gestellt.

Im Internet fin­det man zig Experten und ande­re, wel­che “kau­fen und hal­ten” in der heu­ti­gen Zeit nicht mehr als adäquat beur­tei­len. Es ist für mich nach­voll­zieh­bar, dass die Diskussion über die­se Strategie wahr­schein­lich öfters im Nachgang eines Börsencrashs erfolgt. Die ange­führ­ten Gründe gegen die­se simp­le Strategie sind teil­wei­se schon frag­wür­dig:

  1. Es wird zu mehr Bewegungen an den Märkten kom­men, da der Handel mit Wertpapieren in den letz­ten Jahren für die Privatanleger ver­ein­facht wur­de. Auch die Kommissionen sind tie­fer und mit den am Sekundärmarkt gehan­del­ten ETFs kann der Privatanleger einen Aktienkorb qua­si in Sekundenbruchteilen han­deln. Mit einem Anlagefonds ist der Handel natür­lich umständ­li­cher und erheb­lich teu­rer.
  2. In den letz­ten Jahren habe sich die Geschwindigkeit der Innovationen erhöht, dadurch kann ein Sektor viel eher in Bedrängnis gera­ten. Beispielsweise revo­lu­tio­niert Amazon zur­zeit den tra­di­tio­nel­len Retailhandel oder Apple hat in den letz­ten Jahren den Takt im Handel mit digi­ta­len Musikträgern vor­ge­ge­ben.
  3. Einige Anleger haben mehr ein Buy-and-Forget als ein Buy-and-Hold betrie­ben und sich nicht um die Risiken ihres Portfolios geküm­mert. Die plötz­li­che Wahrnehmung des ent­ar­ten Portfolios kön­nen beim Anleger eine Überreaktion her­vor­ru­fen, was nicht sel­ten in Panikverkäufen endet.
  4. Die Asset-Meltdown-These (Abschmelzung vom Vermögenswerten) besagt, dass durch die Überalterung in der west­li­chen Gesellschaft, ein Verkaufsdruck auf die Kurse von Aktien ent­ste­hen wür­de.

Es gibt noch vie­le ande­re Kritiken an “kau­fen und hal­te???, wobei auch die­se leicht ent­kräf­tet wer­den kön­nen. Konzentrieren wir uns auf die oben auf­ge­führ­ten Punkte. Nur weil der Handel mit Wertpapieren ver­ein­facht wur­de, muss der Anleger längst nicht jeder Modeströmung für eine Assetklasse bzw. einen Sektor nach ren­nen, obwohl dies eini­ge Anleger oft­mals wenig erfolg­reich ver­su­chen. Diese Assetklassen-Rotation gab es wahr­schein­lich schon immer, nur das der Privatanleger heu­te es ein­fa­cher hat die­sen Strömungen zu fol­gen. Was ren­di­te­mäs­sig heu­te auf noch auf dem Gipfel steht, kann in eini­gen Wochen zum Träger der roten Laterne mutie­ren. Meistens schliesst sich der Privatanleger zu spät einem sol­chen Trend an und ver­passt den rech­zei­ti­gen Ausstieg. Zusätzlich kann mit einem diver­si­fi­zier­ten und read­jus­tie­ren Portfolio teil­wei­se auch von sol­chen Modeströmungen pro­fi­tiert wer­den auch Kritikpunkt 3 kann mit einem sol­chen Portfolio ent­geg­net wer­den. In eini­gen Schwellenländern hat sich die Demografie völ­lig anders ent­wi­ckelt als in den west­li­chen Ländern, das Durchschnittsalter der Bevölkerung ist dort erheb­lich tie­fer und auch die­se wer­den das Bedürfnis nach ren­ta­blen Investitionen haben – die Nachfrage nach Aktien wird daher nicht ein­fach zusam­men­bre­chen.

Privatanleger sollte nicht kurzfristig handeln

Daytrading

Der Kleinanleger soll­te nicht die Übermacht der Hedgefonds oder eini­ger Banken wie Goldman Sachs her­aus­for­dern. Diese beschäf­ti­gen sehr intel­li­gen­te und erfolg­rei­che Menschen, haben einen Informationsvorsprung, schnel­le Computer usw. Diese Profis spie­len in einer ande­ren Liga als wir Kleinanleger. Wer glaubt, für meh­re­re Jahre gegen die­se Übermacht zu über­ste­hen muss schon sehr an Selbstüberschätzung lei­den.
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Ich habe im Jahre 2007 vom August bis Dezember eini­ge Beiträge im Cash-Forum geschrie­ben. Ich war erstaunt, dass eine Mehrheit der akti­ven Forumsmitglieder eine Stock-Picking und Market-Timing betrei­ben. OK, für Anleger mit einer „lang­wei­li­gen“ Indexing-Strategie sind die meis­ten Informationen sol­cher Foren grund­sätz­lich bedeu­tungs­los. Trotz des emo­tio­na­len Themas Geldes hal­ten sich die meis­ten Mitglieder zu mei­ner Überraschung an die Verhaltensregeln. Für einen Börsenanfänger hal­te ich das Cash-Forum nicht als hilf­reich, es könn­te der Eindruck ent­ste­hen, dass ein gros­ser Teil der Mitglieder mit ihrem Vorgehen eine über­durch­schnitt­li­che Rendite ein­fah­ren. Leider ist das Risiko-/Renditeprofil der Mitglieder unbe­kannt, ich gehe von einem nega­ti­ven Sharp Ratio aus, d.h. Sie lesen wahr­schein­lich die Beiträge von Anlegern, die unter­durch­schnitt­li­che Renditen bei einem teil­wei­se hohen Risiko erzie­len.

Viele Anleger sind der Meinung, dass mehr Information gleich höhe­rer Ertrag bedeu­tet. Das wis­sen­schaft­li­che Arbeitspapier „Information Acquistition and Portfolio Performance“ von Luigi Guiso und Tullio Japelli kommt zu einem ande­ren Resultat. Der Wert der gesam­mel­ten Informationen ver­führt den Anleger zu einer über­mäs­si­gen Selbstüberschätzung. Die bes­se­ren Resultate erzielt der Anleger ohne zeit­li­chen Aufwand, gegen über den akti­ven Investoren mit einem Zeitaufwand von eini­gen Stunden pro Woche. Die „bes­ser“ infor­mier­ten Anleger kau­fen und ver­kau­fen häu­fi­ger und ver­nach­läs­si­gen die Diversifikation ihres Portfolios.

In einem Forum wie dies des Cash hat es sehr vie­le unter 35-jäh­ri­ge Anleger. Ich bedau­re es, wenn sich sol­che Menschen von der Börsenwelt ver­füh­ren las­sen. Scheinbar haben vie­le das Gefühl, sie ver­fü­gen über beson­de­re Talente hin­sicht­lich ihrer Finanzinvestitionen. Mit tech­ni­scher Analyse und/oder fun­da­men­tal Daten ver­su­chen sie ein posi­ti­ves Sharp-Ratio zu erzie­len.

Korrekterweise glau­ben nur weni­ge Tennisspieler der Welt, sie könn­ten die Nummer eins des Tennis schla­gen. Viele Anleger glau­ben sie hät­ten annäh­rend die Fähigkeiten eines Warren Buffett und könn­ten ähn­li­che Sharp-Ratios erzie­len. Wir akzep­tie­ren auch, bei einem angeb­li­chen Glücksspiel wie Poker, dass es erfolg­rei­che Spieler gibt, die wir kaum schla­gen kön­nen. Nur weil die Technik zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren auch für den Privatanleger ein­fach ist, soll­te wir uns nicht dazu ver­füh­ren las­sen uns mit den weni­gen über­durch­schnitt­li­chen Anlegern mes­sen zu wol­len.

Was emp­fiehlt Warren Buffet dem Privatanleger (Questions and Answers with Warren Buffett), die Informationen wur­den [1] ent­nom­men:

  • If you are not a pro­fes­sio­nal inves­tor, if your goal is not to mana­ge money in such a way that you get a signi­fi­cant­ly bet­ter return than world, then I belie­ve in extre­me diver­si­fi­ca­ti­on. I belie­ve that 98 or 99 per­cent — may­be more than 99 per­cent — of peop­le who invest should exten­si­ve­ly diver­si­fy and not tra­de. That leads them to an index fund with very low costs. All they’re going to do is own a part of America. They’ve made a deci­si­on that owning a part of America is worthwhile. I don’t quar­rel with that at all — that is the way they should approach it.
  • Wall Street makes its money on activi­ty. You make your money on inac­tivi­ty. If ever­y­bo­dy in this room tra­des their port­fo­lio around every day with every other per­son, you’re all going to end up bro­ke. The inter­me­di­a­ry is going to end up with all the money. On the other hand, if you all own stock in a group of average busi­nes­ses and just sit here for fif­ty years, you’ll end up with a fair amount of money and your bro­ker will be bro­ke.

Viele Anleger beru­fen sich bei ihrer Strategie auf Warren Buffett und begrün­den damit ihr han­deln mit nur eini­gen Titeln. Der wohl erfolg­reichs­te Anleger der Welt emp­fiehlt dem „Amateur“ aber ein pas­si­ves Indexing und Diversifikation.

Ich glau­be fast jeder Mensch hat ein Talent, viel­leicht kann die­ses im Beruf zur Anwendung gebracht wer­den. Junge Menschen soll­ten sich auf ihre spe­zi­el­len Fähigkeiten kon­zen­trie­ren und die­ses mög­lichst sinn­voll und gewinn brin­gend ein­set­zen und nicht ihre Zeit mit irrele­van­ten Börseninformationen ver­brin­gen.

Beispielsweise lern­te ich einen hand­werk­li­chen Beruf, war aber schon in mei­ner Jungend fas­zi­niert von Computer und Software. Mit einer ent­spre­chen­den Weiterbildung, viel Einsatz und Freude konn­te ich mein Hobby zum Beruf machen. Ich habe mei­nen zeit­li­chen Aufwand in mei­ne bes­se­ren ent­wi­ckel­ten Fähigkeiten inves­tiert und habe das angeb­lich mühe­lo­se „reich wer­den“ mit der Börse völ­lig igno­riert.

[1] Get Rich Slowly