Aus gutem Grund dis­ku­tiert die­ser Blog grund­sätz­lich kei­ne Einzeltitel von Aktien. In die­sem Beitrag mache ich eine Ausnahme. Die Credit Suisse Group (CS) ist ein Beispiel, wie viel ein lang­fris­tig ori­en­tier­ter Anleger mit der fal­schen Einzeltitelwahl ver­lie­ren kann. Seit der Finanzkrise oder spä­tes­tens mit dem Jahr 2009 ging der Aktienkurs der CS kon­ti­nu­ier­lich nach unten wäh­rend sich der Swiss Market Index (SMI) in Richtung sei­nes Allzeithochs beweg­te.

CS SMI Vergleich von 01.01.2000-16.06.2016

Im Februar 2011 war so ziem­lich der letz­te Zeitpunkt um sich von der Aktie der CS zu tren­nen. Damals wur­de letzt­ma­lig ein Gewinn von über 5 Milliarden bekannt gege­ben. Was ist schief­ge­lau­fen?

Der Auf- und Abstieg der europäischen Finanzinstitute

Bis weni­ge Jahre vor der Jahrtausendwende war die Investition in ein Finanzinstitut eher lang­wei­lig. Danach kann der stei­le Aufstieg der Geldhäuser mit anstei­gen­den Jahresgewinnen bis zum Wendepunkt im Jahre 2008, sie­he STOXX® Europe 600 Banks:

Stoxx Europe 600 Bank von 1987 - 2016
Quelle: STOXX® Europe 600 Banks

Mit mini­ma­ler Kapitaldecke maxi­ma­le Rendite ein­fah­ren war die Strategie vie­ler Grossbanken. Bei der CS funk­tio­nier­te die­ses teil­wei­se bis zwei Jahre nach der Finanzkrise von 2008. Danach viel der Reingewinn bei der CS dra­ma­tisch:

CS Reingewinn 2009-2015

Seither ist die Regulierung ver­stärkt wor­den und in der Folge redu­zie­ren vie­le Finanzinstitute in Europa ihre Bilanzen. Damit ver­rin­gern sich die Chancen auf Erträge, wobei sich die Kosten nicht im glei­chen Masse redu­zier­ten.

Die Investoren sind nach der Finanzkrise miss­traui­scher gewor­den und ver­lan­gen heu­te mehr Information und Transparenz. Kommt hin­zu das in Europa das Geschäft mit den unver­steu­er­ten Vermögen durch Regulierungen ziem­lich aus­ge­höhlt wur­de. Zusätzlich muss­ten die Banken über die letz­ten Jahre teils saf­ti­ge Strafzahlungen für ihre Vergehen in der Vergangenheit bezah­len.

Spitzenlöhne, Kapitalerhöhungen und Risikoreduzierung

In bin der Meinung, dass die Mitarbeiter erst­klas­sig bezahlt wer­den. Dieser Devise wird die CS mit einem Durchschnittslohn von CHF 226’000 im Jahr 2015 sicher­lich gerecht. Natürlich gibt es dar­un­ter ein paar Prozente der Mitarbeiter die eine oder meh­re­re Millionen erhal­ten. Die Vergütung von Brady Dougan ist bis auf das ver­lust­rei­che Jahr 2015 auch bekannt, wobei er damals im Juni aus­schied. Überdies wur­de Ende März 2010 ver­kün­det, dass Dougan zur Vergütung von 19.2 Mio. zusätz­lich ein 70.9 Mio. Franken Bonus erhielt.

Dougan Vergütung 2009 - 2015

Wenn etwas bei der CS miss­glückt, so wird bei ihren Aktionären die hoh­le Hand gemacht. Im 2012 und 2015 gab es bei der CS Kapitalerhöhungen. Damit sank der Gewinn pro Aktie von über 5 Franken im Jahr 2009 auf unter einem.

CS Gewinn pro Aktie 2009 - 2015

Alle Jahre im Februar

Im Folgenden fin­de ich es inter­es­sant wie Brady Dougan bzw. Tidjane Thiam das ver­gan­ge­ne Geschäftsjahr kom­men­tier­ten. Offensichtlich lässt sich aus die­sen Statements nicht die Zukunft ablei­ten.

Geschäftsjahr 2010

Im 2010 war Brady Dougan noch sehr über­zeugt von sei­nem Business Modell. Der dama­li­ge Reingewinn lag noch über 5 Milliarden und dies ergab eine Eigenkapitalrendite von 15%. Er brüs­tet sich mit der angeb­lich wenig risi­ko­rei­chen Strategie:


Quelle: NZZ Impluse, 10.02.2011: Brady Dougan, CEO der Credit Suisse “Unser Modell ist durch­aus glaub­wür­dig”

Geschäftsjahr 2011

Im 2011 gab es einen gewal­ti­gen Gewinneinbruch von 62% gegen­über dem Vorjahr. Der CS-Chef Dougan war sehr ent­täuscht. Leider erwähn­te er nicht, dass die­ser Jahresgewinn von 2 Milliarden eher der Zukunft ent­sprach als die 5 Milliarden aus dem Vorjahr. Erstmals spricht er von der Reduzierung der Kosten und Risiken:


Quelle: SRF, Tagesschau vom 9.02.2012 — Credit Suisse mit Gewinneinbusse

Geschäftsjahr 2012

Der Gewinn redu­zier­te sich gegen­über dem Vorjahr noch­mals. Brady Dougan sprach von einem Umbau ihres Geschäftsmodells. Scheinbar war die gelob­te Strategie aus dem Jahr 2010 doch nicht zukunfts­fä­hig:


Quelle: SRF, Tagesschau vom 7.02.2013 — Credit Suisse mit schwar­zen Zahlen im 2012

Geschäftsjahr 2013

Brady Dougan war 2013 mit der Kapitalrendite von 9 % zufrie­den, der Gewinn stieg wie­der auf über 3 Milliarden. Leider wur­de die­ser anfäng­lich mit­ge­teil­ter Jahresgewinn cir­ca 2 Monate spä­ter von 3’069 Mrd. auf 2’326 Mrd. nach unten kor­ri­giert:


Quelle: SRF, SF-Börse, 6.02.2014: Credit Suisse-Chef Brady Dougan ist zufrie­den mit dem Geschäftsjahr 2013

Geschäftsjahr 2014

Obwohl sich der Gewinn zum Vorjahr auf 1’785 Millionen redu­zier­te, war Dougan dar­über erfreut:


Quelle: SRF-Börse vom 12.02.2015

Geschäftsjahr 2015

Im 2015 wur­de die CS von der Vergangenheit ein­ge­holt. Offensichtlich hat Supermanager Brady Dougan über Jahre hin­weg die Altlasten vor sich hin­ge­scho­ben. Wobei er natür­lich nicht der Alleinschuldige ist, es gäbe dazu vie­le Namen wie bei­spiels­wei­se die Verwaltungsratspräsidente Walter Kieholz, Hans-Ulrich Doerig und Urs Rohner. Im Jahr 2000 wur­de für knapp CHF 20 Milliarden die Investmentbank Donaldson, Lufkin & Jenrette (DLJ) ein­ge­kauft. Mit dem Jahresabschluss wur­de der Goodwill auf die­sem Posten um 3.8 Milliarden abge­schrie­ben:


Quelle: SRF-Tagesschau vom 4.2.2016 — CS macht Milliarden-Verlust

Fazit

Für die Strategie »Kaufen und hal­ten« waren Aktien der schwei­ze­ri­schen Grossbanken eine schlech­te Wahl. Wer 1998 in die Finanzriesen inves­tier­te, hät­te die Hälfte und mehr des Geldes ver­lo­ren. Beide Banken erwar­ben im Jahre 2000 eine US-Investmentbank und folg­ten danach einer risi­ko­be­haf­te­ten Strategie.

Aus mei­ner Sicht ver­brei­te­te der CS-Chef Dougan ab dem Jahr 2012 sehr vie­le Durchhalteparolen, er war nicht bereit für eine Strategieumkehr. Für die Aktionäre war auf­grund sei­ner opti­mis­ti­schen Kommunikation nicht sofort offen­sicht­lich, dass die fet­ten Jahre der Vergangenheit ange­hör­ten.

Ein Kleinanleger mit nur ein paar Einzeltitel in sei­nem Portfolio, war län­ger­fris­tig mit den zwei schwei­ze­ri­schen Grossbanken schlecht bera­ten. Ich habe schon eini­ge Bedenken beim Kauf eines ETF auf den SMI oder den Swiss Performance Index (SPI). Bei Ersteren domi­nie­ren die Schwergewichte Nestlé, Roche und Novartis über 60 % des Index, bei Zweiterem immer­hin noch etwa 50 %. Eine Alternative dazu ist der Swiss Leader Index (SLI). Bei die­sem beträgt die maxi­ma­le Gewichtung 9 % an der Gesamtgewichtung.

Gemäss Richard Forster von der Yale School of Managment hat sich die durch­schnitt­li­che Lebensspanne von Unternehmen im Standard & Poor’s 500 (S&P) Börsenindex von 67 in den 1920ern auf etwa 15 Jahre in den 2010ern Jahren redu­ziert. Wobei die meis­ten Firmen durch Übernahmen oder Fusionen ster­ben. Zudem ist die Lebensdauer sehr kul­tur­ab­hän­gig, in Japan ist die Mortalitätsrate der Unternehmen viel gerin­ger. Dies macht deut­lich, dass die Wahl eines zukünf­tig erfolg­rei­chen Einzeltitels sehr schwie­rig ist. Natürlich kann der Aktionär oft­mals von Kursgewinnen am über­nom­men Unternehmen pro­fi­tie­ren.

Die Beiträge die­ses Blog beinhal­ten ein dau­ern­des Ringen mit der Desinformation der Analysten, Konjunkturforschern und ande­ren direk­ten bzw. indi­rek­ten Profiteuren der Umsätze sowie Margen der Finanzindustrie. Wobei die Medien jede kri­ti­sche Distanz zu den Experten und Marktkommentatoren längst ver­lo­ren haben, da sie selbst um die Gunst des Publikums kämp­fen. Die Symbiose zwi­schen Analysten und Medien mün­det in einer Berichterstattung des emo­tio­na­len Auf und Ab, dabei spie­len sie gekonnt die Klaviatur der Gier und Angst.

Natürlich wer­den hier auch Informationen für das ein­fa­che Investieren ver­mit­telt. Glücklicherweise fin­den sich im Internet auch nütz­li­che Informationsquellen jen­seits der ober­fläch­li­chen Dramatisierung des Marktgeschehens. Daher star­ten wir zuerst mit den nütz­li­chen Informationen.

Nützliche Information

Neulich bin ich auf die fol­gen­de Webseite gestos­sen:

fintool-logo_0

Fintool hat sehr auf­schluss­rei­che Videos — sehr sehens­wert!

Börsenstimmung und Prognosen gleich Desinformation

Kaum kommt es zu Kursverlusten an der Aktienbörse, fin­det infla­tio­när das Schlagwort Eurokrise wie­der in die Headlines der Medien. Die Medien sind zum dümm­li­chen Sprachrohr der Analysten und Konjunkturforscher ver­kom­men.

SPI TR vom 03.01.2014 bis 29.01.2014
Quelle: SPI bei der SWX

Wenn die Volatilität und Dramatik an den Finanzmärkten zwi­schen­durch abklingt, so fül­len die Finanzblätter ihre Lücken mit frag­wür­di­gen Aussagen über Anlagestrategien. Dabei bil­den die Medien, Analysten und Konjunkturforscher eine Zweckgesellschaft die eine nicht pro­gnos­ti­zier­ba­re Zukunft schein­bar zu jedem Preis insze­nie­ren muss.

Panagiotis Spiliopoulos leidet weiterhin an Selbstüberschätzung

Wen die Banken mit ihren Analysten die Kundschaft zu mehr Aktivismus bewegt, schlägt sich dies posi­tiv auf ihrem Profit nie­der. Mit ihren Prognosen hin­ter­las­sen sie zudem den trü­ge­ri­schen Eindruck, sie könn­ten die Zukunft vor­aus­se­hen und hät­ten dadurch einen Informationsvorsprung. Seit ein paar Jahren wis­sen wir es defi­ni­tiv, dass das teil­wei­se unter Druck ste­hen­de Bankenpersonal um des Profitstrebens nicht vor Lügen und Betrug zurück­schreckt. Einer die­ser Personen ist der unbe­lehr­ba­re Herr Panagiotis Spiliopoulos. In mei­nem Blog fin­den sich genü­gend Fehlprognosen die­ses Herrn. Es hin­dert in nicht dar­an, wei­ter frag­wür­di­ge Aussagen zu täti­gen:


Quelle: FUW vom 4.09.2014 — Buy-and-Hold-Strategie hat aus­ge­dient, Panagiotis Spiliopoulos
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Die Echtzeit-Berichterstattung von SRF ist kaum nach­hal­tig ins­be­son­de­re bei den Börsenmeldungen.

Die Nachhaltigkeit des Wirtschaftsjournalismus tendiert gegen Null

Seit dem Jahre 2010 ver­öf­fent­licht der Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft / Universität Zürich ein Jahrbuch über die Qualität der Medien. Einer der Mitautoren ist der Medienwissenschaftler Kurt Imhof, hier­zu ein Ausschnitt sei­ner Kritik an der Wirtschaftsberichterstattung:


Quelle: SRF Trend vom 23.10.2010 — Kurt Imhof: Wirtschaftsjournalismus in der Krise?

SRF bestä­tigt lei­der Herr Imhofs Darstellungen, all­zu oft ver­folgt das SRF das Geschehn im Rhythmus der Aktienkurse. Hierzu drei Beispiele aus einer Vielzahl von einer angeb­lich plau­si­blen Bewertung eines Ereignisses durch die Finanzmärkte. Dabei ori­en­tiert sich die Berichterstattung von SRF meis­tens an den Tageskursen von Aktien – die Medien sind sehr kurz­at­mig gewor­den.

Finanzmärkte und die oberflächliche Wirtschaftsredaktion von SRF

Für die Überhöhung eines Themas ver­greift sich die Wirtschaftsredaktion von SRF ger­ne bei den Tageskursen der Finanzmärkte.

Fernsehen SRF und Aktienkurse

Ich schaue nur noch sehr sel­ten die Tagesschau oder 10vor10 der Schweizer Fernsehen. Ich kann mich wenig anfreun­den mit den auf Show aus­ge­leg­ten Nachrichtensendungen. In die­sen Nachrichtenmagazinen wer­den gewis­se Ereignisse öfters von soge­nann­ten inter­nen oder exter­nen Experten auf­grund von spe­ku­la­ti­ven Informationen ober­fläch­lich bewer­tet. Gerade das täg­li­che Auf und Ab an den Finanzmärkten, bevor­zugt der Aktienmärkte, wird völ­lig miss­bräuch­lich ange­wen­det:


Quelle: SRF, 10vor10 vom 26.02.2013 — Chaos-Wahlen in Italien

Am 24. und 25. Februar 2013 wähl­ten die Italiener die bei­den Kammern ihres Parlamentes neu. Die dabei ent­stan­de­nen unkla­ren Mehrheitsverhältnisse erschwe­ren die Regierungsbildung. Das 10vor10 miss­braucht den Tageskurs des Deutschen Aktienindex DAX vom 26.02.2013 für die Wertung des Wahlergebnisses in Italien.

Dax MIB 26.02.2013

Wird der DAX über den Zeitraum von cir­ca einem Monat um den 26.02.2013 betrach­tet, so ist kei­ne nega­ti­ve oder posi­ti­ve Auswirkung der Wahlergebnisse von Italien auf den DAX ersicht­lich. Die Kausalität des Wahlergebnisses auf den ita­lie­ni­sche Leitindex FTSE MIB trifft sicher­lich zu. Leider ist SRF dies­be­züg­lich nicht lern­fä­hig und über­be­wer­tet die kurz­fris­ti­ge Preisbildung an den Finanzmärkten in ihrer Berichterstattung. Das Radio von SRF ist nicht bes­ser, hie­zu das nächs­te Beispiel.
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Die Medien sind defi­ni­tiv nicht lern­fä­hig, andern­falls gäbe es die­sen Blogeintrag nicht. Noch immer wer­den die­se Leerlaufprognosen der Analysten und Ökonomen durch die Medien ver­brei­tet.

Währungsprognosen sind unseriös

Gemäss Herrn Wellershoff sind Wechselkursprognosen unse­ri­ös:

Quelle: SF-Börse vom 4.07.2011 — Klaus Wellershoff, Geschäftsführer Wellershoff & Partners zu Währungsprognosen

Zurzeit kennt der Euro gegen­über dem CHF nur eine Richtung:
EUR/CHF Kurs vom 9.08.2010
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Sollten wir uns auf die fol­gen­de Aussage noch ver­las­sen?


Quelle: SF1, ECO vom 22.12.2010 — Thomas Jordan: “Wir haben eine Verschärfung der Geldpolitik erfah­ren”
Thomas Jordan, Vizepräsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank (SNB) glaubt an den Willen und Fähigkeit der Notenbanken eine Deflation oder Inflation ver­mei­den zu kön­nen. Sie müss­ten nur zum rich­ti­gen Zeitpunkt die Liquidität aus dem System neh­men.

Zentralbank agieren kaum unabhängig der Staatsgewalt

Notenbanken haben mit ihre Bilanzen mit vie­len Risiken aus­ge­wei­tet. Trotz hoher Buchverluste schüt­tet die SNB für das 2010 die vor­ge­seh­nen CHF 2.5 Milliarden an Bund und Kantone aus.
Kann man noch mit einer unab­hän­gi­gen Geldpolitik der Zentralbank rech­nen?


Quelle: Wegelin und Co — Teil aus Anlagekommentar Nr. 274 vom 24.1.2011

Ich habe gros­se Zweifel, dass sich die Notenbanken dem poli­ti­schen Druck ihrer Staatsmacht ent­zie­hen kön­nen. Wahrscheinlich wer­den die Notenbanken ent­ge­gen ihrer Aussagen eine Inflation von über 2% zu las­sen und dabei die Leitzinse tief hal­ten. Dadurch wer­den die Sparenden ein­mal mehr durch ihren Staat ent­eig­net. Die Schweiz wird dabei kei­ne Insel der Glückseligkeit sein, ori­en­tiert sich die SNB doch stark an der Europäische Zentralbank (EZB) und Federal Reserve (Fed).

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Privatinvestor ein beliebtes Opfer der Finanzindustrie

Privatinvestoren haben im Allgemeinen weni­ger gute Informationen und weni­ger Fachkenntnis als pro­fes­sio­nel­len Mitspieler wie insti­tu­tio­nel­le Investoren, Hedgefonds usw.. Es kommt nicht von unge­fähr, das neu­tra­le Berater, dem Privatinvestoren ein aus­ge­wo­ge­nes Portfolio zusam­men­stel­len und die Anzahl der Transaktionen mög­lichst nied­rig hal­ten. Ein Kaufen und Halten mit einer regel­mäs­si­gen Neujustierung der Asset-Klassen ist für die­se Anlegergruppe wahr­schein­lich noch immer die erfolg­reichs­te Strategie. Unglücklicherweise ver­su­chen noch immer vie­le Privatanleger die Gewinneraktien zu iden­ti­fi­zie­ren und ver­kau­fen ver­meint­li­che Verlierer. Diese kon­tra­pro­duk­ti­ve Aktivität mag die Finanzindustrie und gewis­se pro­fes­sio­nel­le Gegenparteien erfreu­en, führt aber letzt­end­lich zu einer tie­fen risi­ko­ge­wich­te­ten Rendite (Sharpe-Ratio).

Sell-Side Analysten

Die so genann­ten Sell-Side-Analysten wer­den oft­mals aus den Umsätzen des Wertpapiergeschäftes einer Bank bezahlt. Normalerweise reagie­ren Kleinanleger auf die ein­fa­chen Empfehlungen wie Kaufen, Halten und Verkaufen, wäh­rend die insti­tu­tio­nel­len Anleger mit auf­wän­di­gen Berichten ver­sorgt wer­den. Gemäss der Studie “DO SECURITY ANALYSTS SPEAK IN TWO TONGUES?” von Ulrike Malmendier und Devin Shanthikunar rich­ten die pro­fes­sio­nel­len Anleger ihre Aufmerksamkeit mehr auf die Gewinnprognosen. Des Weiteren zeigt die Studie auch, dass die pro­fes­sio­nel­len Investoren mit weni­ger über­trie­be­nen Aussagen für das jewei­li­ge ana­ly­sier­te Unternehmen ver­sorgt wer­den als der Kleinanleger.

Langeweile an den Märkten drückt die Gewinne der Finanzindustrie

Schon am Letzten des vor­he­ri­gen Monates habe ich mich über einen Analysten der Finanzwirtschaft nega­tiv geäus­sert. Scheinbar haben die­se Sell-Side Analysten von ihren Arbeitgebern den Auftrag erhal­ten, uns Kleinanleger zu mehr Aktivität zu moti­vie­ren. Verzeichnen doch vie­le Banken tie­fe­re Gewinne aus dem Kommissionsgeschäft im Wertpapierhandel. Beispielsweise sank die Zahl der Transaktionen pro Kunde und pro Jahr bei der Swissquote auf rund 10. Dies ist der tiefs­te Stand seit 2003. Der Swissquote-Chef Marc Bürki begrün­de­te dies mit der “Langweile an den Märkten”. Da erstaunt es nicht, dass vie­le Analysten stei­gen­de Aktienkurse pro­gnos­ti­zie­ren.

Einige Aussagen von Analysten bzw. Ökonomen

Im Folgenden wer­de ich drei Ausschnitte von Interviews kom­men­tie­ren. Nur Herrn Ladner vom Cash, wür­de ich nied­ri­ge Motive eines Sell-Side Analysten unter­stel­len. Den bei­den ande­ren Herren soll­ten tun­lichst gewis­se Aussagen in ihren län­ge­ren Interviews mei­den.
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